Power, Money, Fame – Willkommen in Tilda Eulenspiels Erfolgsseminar! Ironisch, feministisch und kritisch hinterfragt Rebekah Wild in ihrem Kurztheater für einen Publikumsgast die heutige Gesellschaft und ihre Wünsche. Mit Witz und Charme verführt Tilda ihre Gäste, um mit wenig an viel zu kommen. Dabei fordert sie das Publikum heraus, sich selbst und gesellschaftliche Reize nicht ganz so ernst zu nehmen, denn das Streben nach Macht, Geld und Ruhm kommt nicht immer zu einem glanzvollen Ende.
Zur Künstlerin:Rebekah Wild, geboren in Aotearoa/Neuseeland, lebt seit 1996 in Europa. Sie hat in den letzten 25 Jahre in Theatern weltweit als Puppenspielerin, Puppenbauerin & -designerin sowie als Puppentheatermacherin gearbeitet, unter anderem hat sie auch schon für das Schubert Theater die Puppen und Ausstattung für die erfolgreiche FAUST-Produktion gebaut. Typisch für ihre Eigenproduktionen ist die äußerst zärtliche und intime Herangehensweise an unterschiedlichste Themen. Vor allem das Nonverbale unterstreicht ihre Stärke im Führen von Puppen, Objekten und Alltagsgegenständen. Eigens für das Schubert Theater hat sie ein Kurzstück über Tilda Eulenspiel konzipiert, Uraufführung beim Internationalen Figurenfestival im März 2022.
Konzept & Idee: Rebekah Wild Bühne: Rebekah Wild und Gerhard Pichler
Kostüm & Ausstattung: Rebekah Wild und Barbara Kriegl, mit Dank an Barbara Spitz! Produktionsleitung: Marvin Schriebl Spiel: Rebekah Wild oder Soffi Povo
Premiere: 17. März 2022
Eine Produktion von Wild Theatre und Schubert Theater Wien.
Unterstützt durch die Stadt Wien und dem Bundesministerium.
In den Future Talks zum Schwerpunkt Future Lab im Februar 2022 im Schubert Theater Wien wird u.a. darüber diskutiert, wie weit neue Technologien in Österreichs Theater-Landschaft bereits im Einsatz sind, welchen Mehrwert Digitales Theater für Künstler*innen und Publikum hat und wie die Zukunft des Theaters aussehen könnte. Dafür laden wir spannende Talkgäste wie Nachwuchsregisseurin Cosmea Spellaken, Hedy-Lamarr-Preisträgerin Johanna Pirker, ESC-Medienkunst-Labor-Leiterin Reni Hofmüller oder auch Philosoph und Quantenphysiker Lukas Mairhofer ein.
Future Talk I: Die Zukunft und das Theater Digitales Theater: Was ist es, was kann es und wozu braucht man es? 17. Februar, 18:30 Uhr (im Anschluss von Folge 5 „Ein Würstelstand auf Weltreise“) im Schubert Theater Wien und Online via Livestream (Facebook/Youtube)
Leider gab es beim ersten Future Talk ein technisches Problem (natürlich!), weswegen keine Aufzeichnung davon vorhanden ist. Allerdings waren Cosmea Spelleken, Johanna Pirker, Manuela Linshalm und Simon Meusburger auch bei unserer Pressekonferenz zum Future Lab dabei, davon gibt es einen Mitschnitt:
Mit: Simon Meusburger ist ein österreichischer Regisseur sowie seit 2007 Direktor und Hausregisseur des Wiener Schubert Theater. Bereits 2019 befasste er sich mit Deep Learning- und KI-Technologie für seine Inszenierung „Projekt Pinocchio“. 2021 realisierte er nach seinem Stück „MAY.be – Was sein darf“, in dem er utopische und dystopische Perspektiven auf Lockdown und Pandemie wirft, die erste digitale Produktion „MAY.be 2.0“ im Schubert Theater und drehte gemeinsam mit Manuela Linshalm und Stephan Lack die Online-Serie „Ein Würstelstand auf Weltreise“.
Cosmea Spelleken, studierte Medienkunst an der HFG Karlsruhe und seit 2020 Regie an der Filmakademie Wien. Das digitale Theaterstück „werther.live“, welches 2020 Premiere hatte, war ihre erste eigene Theaterarbeit und u.a. eingeladen zum Nachtkritik Theatertreffen 2021, dem Heidelberger Sü̈ckemarkt und nominiert für das Theatertreffen der Berliner Festspiele, sowie den Faust 2021. Sie ist Teil des Kollektivs „punktlive“ und lebt in Wien und Berlin. Für ihre Arbeit an werther.live erhielt sie von Theater heute die Auszeichnung Nachwuchsregie des Jahres 2021. In der Spielzeit 21/22 wird sie am Staatstheater Nürnberg das Projekt möwe.live umsetzen.
Johanna Pirker studierte Software Development and Business an der TU Graz sowie am Massachusetts Institute of Technology (MIT). 2017 promovierte sie an der TU Graz̈ über Immersive and Engaging Forms of Virtual Learning. Dabei entwickelte sie mit Maroon ein interaktives Physiklabor fü̈r den Einsatz im Klassenzimmer. Seit 2013 lehrt sie an der TU Graz Game Design and Development, Information Search and Retrieval und Social Media Technologies. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen vor allem in den Bereichen HCI, Social Network Analysis und Games User Research.
Manuela Linshalm (Puppenspielerin Frau Resch) stammt aus Wien, Schauspielausbildung am Franz Schubert Konservatorium, Ausbildung Puppenspiel bei Nikolaus Habjan (Schubert Theater Wien), Fortbildung bei Neville Tranter (Figurentheaterkolleg Bochum). Zuvor Studium an der Universität Wien (Publizistik, Anglistik, Psychologie). Engagements u.a. bei Akademietheater Wien, Theater an der Wien, Residenztheater München, Landestheater NÖ, Vereinigte Bühnen Bozen, Bayerische Staatsoper, Volkstheater Wien, Rabenhof Theater, Schubert Theater Wien, Next Liberty Graz, Theater in der Josefstadt, uvm. Zahlreiche Gastspiele in Österreich, Deutschland und der Schweiz. TV-Comedy Serie für ServusTV 2010, diverse TV-Auftritte und Kurzfilme. Seit 2009 kontinuierlich als Puppenspielerin am Schubert Theater Wien zu sehen. Bisher drei Figurentheater-Solostücke, aktuell: „Was geschah mit Baby Jane?“ und „Die Welt ist ein Würstelstand“.
Future Talk II: Wissenschaft und Kunst Was macht die Kunst mit Wissenschaft und Technologie und umgekehrt? Welche Rolle nimmt das Theater in der Kunst- und Kulturvermittlung ein? 28. Februar, 21:00 Uhr (im Anschluss an die Vorstellung „Projekt Pinocchio“) im Schubert Theater Wien und Online via Livestream (Facebook/Youtube)
Stream Future Talk II 28.02.2022:
Mit: Simon Meusburger ist ein österreichischer Regisseur sowie seit 2007 Direktor und Hausregisseur des Wiener Schubert Theater. (siehe oben)
Lukas Mairhofer studierte an der Universität Wien, ergänzt durch Auslandssemester an der Jawarhalal Nehru University, der University of Helsinki, der UC Berkeley und der Universität Konstanz sowie einem Secondment an der AEGIS-Kollaboration am CERN. Seine Forschung wurde durch Stipendien am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (Wien) und den Graduiertenkollegs „Das Reale in der Kultur der Moderne“ (Konstanz) sowie „Complex Quantum Systems“ (Wien) unterstützt. Seine Dissertation zu „Bertolt Brechts Interferenz mit Quantenphysik“ gewann den doc.award 2015. Er veröffentlicht in beiden Bereichen.
Olivier Schaffer, seit 2014 VR-Pionier, war bereits 2015 maßgeblich bei der Eröffnung des ersten VR-Cafés (VREI-Virtual Reality Lounge) in Wien mit seinem technischen Know-How involviert. Das erklärte Ziel: die neue Technologie möglichst einfach zugänglich zu machen – mit kompetenter Betreuung und innovativer Hardware. Noch vor der Einführung kommerzieller VR-Brillen bekamen Gäste im VREI-Café einen Eindruck der virtuellen Welt. Bei unzähligen Events ermöglichte er es vielen Menschen die Faszination Virtual Reality näherzubringen. Heute stellt Olivier Schaffer mit seiner Firma VR-Equipment und VR-Simulatoren für Messen und Events zur Verfügung, betreut VR-Teambuildings und filmt u.a. Kunstperformances im VR180°- 3D Format. Seit 2021 arbeitet VREI mit dem Schubert Theater zusammen an neuen Ideen für ein VR-Puppentheater-Erlebnis.
Reni Hofmüller konzentriert sich auf Kunst in technologischen Zusammenhängen und geht den Beziehungen zwischen Kunst, Technologie und Gesellschaft auf den Grund. Seit langem ist Klang ihr wichtigstes künstlerisches Werkzeug, jedoch geht sie mit ähnlichem Interesse spazieren oder findet ein neues Netzwerk aus Menschen, um sich mit ihrer Umgebung mehr zu vertiefen. Sie ist eine der Gründer*innen der esc, ist tätig bei Radio Helsinki (das lokale nichtkommerzielle Community Radio), mur.at, Mitglied bei IMA und singt seit Dezember 2014 in der feministischen PostPunkBand Lonesome Hot Dudes. Eingebettet in feministische Technologiekollektive engagiert sie sich beim ecletic tech carnival, im TransHackFeminist Meeting und beschäftigt sich mit dem Konzept feministischer Server. Leitung des esc medien kunst labors.
Alexander Kerlin ist ein deutscher Dramaturg. Von 2010 bis 2019 war er Dramaturg am Schauspiel Dortmund. In der Kritiker-Jahresumfrage des Fachmagazins Theater heute erhielt das Haus ab 2015 dreimal in Folge den zweiten Platz als Theater des Jahres im gesamten deutschsprachigen Raum. 2014 erhielt Kerlin für seine künstlerischen Verdienste den NRW-Förderpreis für junge Künstlerinnen und Künstler. Kerlin ist Mitbegründer der Dortmunder Akademie für Theater und Digitalität, die 2019 ihre Arbeit aufgenommen hat. Seit der Spielzeit 2019/20 ist er als Dramaturg festes Ensemblemitglied am Burgtheater in Wien.
Festival: Future Lab*
19.-22. Februar 2026
Mit: Wien-Premiere von „Let’s play I’m old and tired“ Uraufführung von „Processing Pinocchio“ AR-Workshop „pixl to puppet“ Presseinfos, Fotos & Teaser
Premiere: Die Geister in Princeton
11. April 2026
tba
Seit einigen Saisonen setzten wir uns im Schubert Theater Wien gezielt mit technologischen Evolutionen auseinander. Die pandemiebedingten Schließungen haben uns tiefer in dieses spannende, aktuelle Feld eintauchen lassen, dem wir ab Februar 2022 mit der Veranstaltungsreihe „Future Lab – Die Zukunft und das Theater“ einen Schwerpunkt widmen. Mit analogen und digitalen Theateraufführungen wird gezeigt, wie weit Kunst und Technologie sich im Theater näher kommen und verbinden lassen. Eine künstliche Intelligenz als Co-Autor bei „Projekt Pinocchio“, die Online-Premiere der Mini-Serie „Ein Würstelstand auf Weltreise“, oder auch virtuelle und interaktive Theatererlebnisse wie „Werther.live“ oder „MAY.be 2.0“ werfen faszinierende Fragen und Erkenntnisse auf, über die wir gemeinsam mit unserem Publikum und ExpertInnen aus Kunst und Wissenschaft nachdenken wollen. So diskutieren die heurige Hedy-Lamarr-Preisträgerin Johanna Pirker, die Leiterin des ESC Medienkunstlabors Reni Hofmüller, der Experimentalphysiker und Brecht-Experte Lukas Mairhofer mit der Nachwuchsregisseurin des Jahres Cosmea Spellaken, dem Regisseur und Theaterdirektor Simon Meusburger und der Puppenspielerin Manuela Linshalm bei exklusiven Publikumsgesprächen im Schubert Theater Wien.
Kunst und Technologie – auf den ersten Blick etwas Gegensätzliches, doch eigentlich eine sich gegenseitig antreibende Symbiose, die im gesellschaftlichen Strom meist dem Puls der Zeit voraus ist. Erst wenn die richtige Technologie gefunden ist, lassen sich zukunftsweisende Ideen umsetzen: Lachte man in den 1960er-Jahren noch über die allzu futuristischen Kommunikationsmittel in „Star Trek“, ist Mobilfunk oder Videotelefonie heutzutage nicht mehr wegzudenken. Das Schubert Theater Wien hat mit der Reanimierung der Tradition „Figurenspiel“ wiederum eine alte Produktionstechnik, also Technologie, mit neuem Leben besetzt und mit modernen Inhalten befüllt. 2018 erschien in einer einzigartigen Verbindung von Puppenspiel und Künstlicher Intelligenz eine Neuinterpretation des Klassikers „Pinocchio“, die ganz dem Aufruf von Giorgio Manganelli folgt, das Buch als Erwachsenenbuch zu lesen und dem Publikum mit Fragen, was denn die Menschlichkeit und die (menschliche) Kunst ausmacht, Raum für Selbstreflexion bietet.
Beim „Future Lab“ wird auch die erste digitale Produktion des Hauses „MAY.be 2.0“ sowie die Online-Premiere „Ein Würstelstand auf Weltreise“ präsentiert und ein Ausblick auf das geplante virtuelle Puppenmuseum gezeigt – auch mit Stilmitteln der durch Snapchat-Filter beliebt gewordenen Augmented- und Virtual-Reality-Technologie, also mit der „erweiterten“ und „virtuellen Realität“. Diese gelten als die nächste zu erreichende Medienstufe, denn nicht umsonst investiert Facebook seit 2018 massiv in sein Oculus-System, das Millionen von Nutzern diese neue Technologie ins Wohnzimmer bringen soll, und zwar noch dieses Jahr – ganz stylisch mit der Ray-Ban-Datenbrille. Laut eigenen Studien von Meta-Business erwarten durchschnittlich 65 % der befragten Personen in 11 Märkten, dass VR Teil ihres Alltags werden wird. Auch für Theaterdirektor Simon Meusburger liegt Figurentheater und die virtuelle Realität eng beisammen: „Im Figurentheater manipulieren wir Objekte. Wir erwecken tote Gegenstände zum Leben. Und in der virtuellen Realität nehmen wir statt den Puppen Pixel und hauchen ihnen Leben ein. Es ist ein verwandtes Genre.“
Interdisziplinarität und Fortschritt Genau diese Interdisziplinarität war es auch, die Cosmea Spellaken am Studium der Medienkunst fesselte: „Fasziniert hat mich, dass dieses Studium medial wirklich völlig offen war. Wenn man dort einen Stoff hatte, wurde erst mal diskutiert, in welchem Medium man den am besten umsetzen kann – als Theater, als Film, als Installation oder als Audio-Walk.“ Mit ihrer Neuinterpretation von Goethes „Werther“ als Online-Theater im November 2020, bei der für die Hauptcharaktere öffentliche Instagram-Profile angelegt wurden, traf sie einen Nerv der Zeit: Live-Theater im vom Lockdown nicht betroffenen digitalen Raum, gekoppelt mit der Interaktivität des Internets, hat alle Barrieren für das Publikum abgeschafft. „Bei den ersten Aufführungen konnte ich es kaum fassen, dass uns 130 Leute zugesehen haben. Vier Monate später hatten wir Termine mit 1.300 Zuschauern.“, so Spellaken. Vom Erfolg berichtet sogar die New York Times, und mit Spannung wird die neue Inszenierung „Die Möwe“ von Anton Tschechow erwartet – obwohl sich viele nicht vorstellen konnten, dass „Online-Theater“ einen tatsächlichen Wert und Gehalt hat.
Auch Lukas Mairhofer, Experimentalphysiker und Wissenschaftsphilosoph, bringt zusammen, was auf den ersten Blick nichts gemein hat: Seine Dissertation über Bertolt Brecht und Quantenmechanik brachte ihm 2015 den „doc.award“ als beste Abschlussarbeit ein. „Ich denke, wir sollten uns nicht täuschen lassen. Wissenschaft und Kunst sind gar nicht so weit auseinander, wie wir uns alle immer einreden wollen.“ Nach seiner vierstündigen, mündlichen Quantenmechanik-Prüfung hatte er ein Aha-Erlebnis während einer Brecht-Lektüre: „Brecht zitiert ganz explizit die Quantenphysik, wenn er argumentieren will, dass das Publikum sich nicht passiv zurücklehnen und einfach rezipieren soll, sondern dass es aktiv teilnehmen muss am Stück, und er versucht, seine Stücke so zu schreiben, dass das Publikum gezwungen ist, mitzudenken und zu interpretieren. (…) Ich denke, was wir wirklich mitnehmen sollten aus der Quantenmechanik, ist, dass Beobachtung die Welt verändert. Dass Sie als Publikum genauso daran beteiligt sind, dass hier auf der Bühne etwas passiert, und auch daran, was hier auf der Bühne passiert.“
Digitale Revolution – Lernen und Beobachten Ein großes Einsatzgebiet technologischer Innovationen sind Videospiele. „Grafikkarten, Game Engines oder Virtual Reality sind Technologien, die stark von der Spieleindustrie geprägt werden, aber inzwischen einen großen Einfluss auf unterschiedlichste Lebensbereiche haben.“, erklärt Johanna Pirker von der TU Graz, die mit ihrem Team an „Spielen, die uns besser machen“ forscht. Man spricht hier von „Gamification“, also dem Einsatz von spieltypischen Elementen (wie Ranglisten oder Erfahrungspunkten) in einem spielfremden Kontext zur Motivationssteigerung. Das Bild des introvertierten, am Rande der Gesellschaft lebenden Gamers ist dabei nicht mehr zeitgemäß, so Pirker: „Es gibt auch Videospiele wie beispielsweise „Path Out“, in dem man die Reise eines syrischen Jungen nach Österreich mit all seinen Herausforderungen erleben kann. Videospiele involvieren die Menschen weitaus mehr als ein Dokumentarfilm, weil Empathie eine Rolle spielt.“ (Anm.: Path Out vom Wiener Spieleentwicklungsstudio Causa Creations gewann den Europäischen Jugendpreis 2019)
So liegt auch für Medienkünstlerin Reni Hofmüller und ihr ESC Medienkunstlabor das „Hauptaugenmerk auf der genauen Beobachtung und seismografischen Erfassung von künstlerischen Prozessen, die gesellschaftspolitische Entwicklungen (Informations- und Biotechnologien, sozioökonomische Systeme) und Neue Technologien (Hard- und Software) untersuchen und zum Inhalt haben.“ So entstanden bahnbrechend moderne Ausstellungen wie 1998 „Let’s make a Baby“ über Gentechnik, 2002 „Please Identify“ über Überwachung und Sicherheit, oder auch 2003 „Terminal Time“ über die Konstruktion von Geschichte in der Nachrichtengestaltung. Beim „DreiDigiTalk“ über die Digitalisierung der Kunst im Oktober 2021 resümiert Hofmüller: „Das, was der Kunst- und Kulturbereich u.a. auch macht und was die Pandemie so deutlich gezeigt hat, was uns fehlt, wenn wir es nicht haben, ist ja auch die Vermittlung von Medienkompetenz. Vieles, was wir als Kulturvermittlung tun, bleibt scheinbar unsichtbar im Hintergrund“, dabei ist gerade auch das Angebot für Auseinandersetzung und Weiterbildung wichtig, die die Basis für neues Wissen stellen.
Zukunft und Theater Vielen ist Theater heilig. Und zwar das Theater, das sie kennen. Alte Bühnen werden als wahrhaftige Institutionen behandelt, auf „den Brettern, die die Welt bedeuten“ dominiert die ein oder andere Gottheit, Machtkämpfe werden nicht nur mit Requisiten-Degen ausgefochten. Doch die Zukunft macht keinen Halt, Technologien entwickeln sich nicht langsamer, nur weil wir uns nicht bereit fühlen. Das einzige, was bereits geschieht, ist, dass Theaterschaffende den Anschluss an Morgen verpassen – so auch das vorherrschende Problem, junges Publikum – das Publikum von morgen – in die Theater (von gestern) zu bekommen. Dabei zeigen einige Projekte, wie eindrucksvoll neue Technologien in der Kunst einen starken Mehrwert für das Publikum schaffen können. So z.B. das Projekt „The Under presents“ des preisgekrönten Studios „Tender Claws“ in Los Angeles, in dem in einem VR-Spiel echte SchauspielerInnen live in die Handlung der fiktiven Geschichte eingreifen können. „Wo immersives Theater auf VR trifft“, so wird das faszinierende Multiplayer-Erlebnis angekündigt. Die SchauspielerInnen der New Yorker Gruppe „Pie Hole“ setzen dabei eine VR-Brille (von Oculus) auf und improvisieren und interagieren in Vier-Stunden-Schichten mit dem Publikum, den „Playern“ des Spiels.
Auch „Crux“, ein Extended-Reality-Kollektiv für KünstlerInnen und TechnikerInnen dunkler Hautfarbe in den USA, hat erkannt, dass sich Storytelling mit Hilfe von erweiterter Realität in einem entscheidenden Moment befindet und die Auseinandersetzung damit zukunftsweisendes Denken ist. Ihre erste Zusammenarbeit mit Theaterproduzent Blair Russell (Toni-nominierte Broadway-Produktion „Slave Play“) war eine einstündige VR-Sammlung von Original-Kurzstücken, die in Echtzeit mit Cartoon-Avataren für die SchauspielerInnen aufgeführt wurden, und es war ein voller Erfolg. Mehr Projekte sind nun schon in Planung. Denn: „Ein Gefühl der Gemeinschaft, die Tiefe der Geschichte, einzigartige flüchtige Erlebnisse machen Live-Auftritte zu etwas Besonderem und diese Dinge sind nicht exklusiv an eine opulente Theaterbühne mit Bühnenbeleuchtung gebunden.“
Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt? Wir wollen nicht auf Facebook oder sonstige „Big Player“ warten, bis eine weitere Kunstform von Kapitalismus definiert wird. Wir wollen diese spannende Zeit des Umbruchs, des Neuen, der digitalen Revolution aktiv miterleben und mitgestalten. Für euch, für uns, für heute, für morgen. Simon Meusburger stellt jedoch klar: „Mir ist wichtig, dass man das nicht als Ersatz für analoges Theater sieht. Wir haben hier eine eigene Form, die Vor- und Nachteile hat. (…) Als Kulturschaffende müssen wir das Feld auch nutzen und bespielen, und es nicht nur der Entertainmentindustrie überlassen. Es sind Dinge möglich, die in der analogen Welt undenkbar sind, und eine neue Barrierefreiheit – ich kann zum Beispiel mit einer im Ausland lebenden Freundin spontan gemeinsam ins Theater gehen. Ungetestet, ungeimpft, oder sogar, wenn ich gerade in Quarantäne bin.“
Von Lisa Zingerle Dezember 2021
Das Future Lab im Schubert Theater Wien, kuratiert von Lisa Zingerle, bietet einen Monat lang im Februar 2022 Einblicke in die digitale Theaterlandschaft, die sich mit Kulturvermittlung, neuen Technologien und Wissenschaft beschäftigt. In Diskussionsrunden kommen ExpertInnen wie Johanna Pirker, Reni Hofmüller, Lukas Mairhofer und KünstlerInnen wie Cosmea Spellaken, Simon Meusburger und die Puppenspielerin Manuela Linshalm zu Wort und beantworten gerne auch Publikumsfragen.
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