Mein Mann ist Vegetarier geworden, das war der Scheidungsgrund

Am 21. November 2019 hat „Die Welt ist ein Würstelstand“ im Schubert Theater Wien Premiere. Wurst, Kaffee und ein Interview mit einer charismatischen Klappmaulpuppe.

Redaktion: Jana Schulz
Fotos: Sebastian Kainradl

Die resolute Frau Resch betreibt ihren Würstelstand mit Herzblut, steht aber in einer gewissen Abhängigkeit zu ihrer Puppenspielerin.

Frau Resch, was ist die beste Wurst?

Die Käsekrainer, die ist am Würzigsten. Da muss ma an Gschissenen dazu essen, an süßen Senf. A Eitrige mit an Buckl und an Gschissenen, das ist urwienerisch.

Wir waren ja gerade Wurst essen am Würstelstand am Hohen Markt. Können Sie dieses Gericht denn überhaupt noch genießen?

Jo. Wissen Sie, Würste, mit Maß und Ziel genossen, schaden auch in größeren Mengen nicht. Die Wurst war relativ gut, ich schätze den Kollegen. I hob jo Bio-Würstel, i weiß net, ob der alles  bio hat.

Wie sind Sie Würstelstandverkäuferin geworden?

Das war mehr Zufall. I hob a Praktikum g‘macht, übrigens hier in diesem Kaffeehaus. Café Heumarkt, 3. Bezirk. Ich war a relativ junges Madl, ich war verheiratet, und, naja, dann hat sich des ergeben. Dann hat mal ein Gastronomiekollege gsagt, er verkauft einen Würstelstand, und dann hab ich mich quasi selbstständig g‘macht. So woa des.

Wann war das?

Jesses, des ist 33 Joah her.

Und hat sich seither etwas verändert?

Mein Gott, es gibt so viele Vegetarier. Das ist geschäftsschädigend. I waaß net. So a pickerte Glasnudel? Des brauch i net. Na. Einmal bin ich schon gefragt worden, ob ich Tofu-Würschtl hab. Da hab ich gesagt, bevor ich sowas verkauf, leg i mi am Zentralfriedhof.

Mein Mann ist vor a paar Jahr‘ Vegetarier geworden, das war der Scheidungsgrund. Wissen Sie, das geht net. Wenn man 33 Joah einen Würstelstand hat, und dahaam soll i nur noch Tofu und Erbsen kochen – des geht net zamm. Da sind lang erworbene Lebensauschauungen aufeinandergeprallt. Wissens, das ist, wie wenn Sie in der Flüchtlingshilfe arbeiten und mit einem FPÖ-ler verheiratet sind. Das geht sich net aus. Mir geht nix ab. Ich hab meine Leut, meine Kunden, ich hab eine Aufgabe, das ist schee.

Mein Leben, das is schon der Stand. Schauen Sie sich das Stück an, da erfahren Sie mehr.

Wie ist der Alltag als Würstelstandbetreiberin?

Ich bin quasi völkerverbindend. Zu mir kommt alles. Ich kann auch a bissl ausländisch. Ich erzähl den Touristen, wo‘s schee is, wo sie hingehen sollen. Letztens hat eine die Lipizzaner gesucht. Ich hab ihr dann einen Pferdeleberkäs verkauft. Den Witz hot sie net verstanden… Und dann hab ich ihr von den wirklich interessanten Dingen erzählt und sie zur Gruft gschickt. Ich mein die Gruft für die Obdachlosen. Der Kurt Swoboda, ein Stammkunde von mir, arbeitet dort manchmal ehrenamtlich, der kocht dort, dafür hat er sich von mir ein Würstelgulasch abgeschaut.

Gibt’s auch Deutsche, die Wiener bestellen?

Ja, denen muss ich das immer erklären, dass des bei uns die Frankfurter san. Sie kapieren des net. Gibt schon viele Deutsche. Aber die können ja nix dafür. Sind ja trotzdem liebe Leut.

Ich bin da weltoffen. Wer kann denn was dafür, wo er geboren wird? Wenn er zu mir kommt, kriegt er sei Wurscht. Ich selbst brauch gar net in der Weltgeschichte herumfahren, zu mir kommen eh alle.

Wie sind Ihre Öffnungszeiten?

Meistens sperr ich um 10 auf. Und zusperren tu ich, wenn keiner mehr kommt.

Da arbeiten Sie aber schon viel.

Das ist Arbeit, ja, aber es ist ja auch meine Welt. Da fühl ich mich wohl, da kenn i mich aus. Da bin ich der Chef.

Und wenn Sie mal frei haben, was machen Sie dann?

Naja, ich hab nicht so viel frei. Aber ab und zu Kaffee trinken, so wie jetzt mit Ihnen. Aber lang kann i net, weil der Würstelstand wird von einer Freundin betreut.

Den Herrn Ober kennt Resi Resch noch aus ihrer Zeit als Praktikantin.

Dann kommen wir schnell zur Sache: „Die Welt ist ein Würstelstand“ handelt von Ihrem Leben.

Man macht sozusagen eine Biographie über mich. Es war mir zuerst gar net recht, dass so viel erzählt wird von mir, oba bitte, vielleicht interessiert‘s die Leut. Den Ausgang verrat i noch net, weil sonst kommt jo keiner.

Sie sind nicht zum ersten Mal am Theater.

Ich hab mich schon mal kaufen lassen, ich geb’s zu. Das war damals eine Kooperation zwischen dem Schubert Theater und dem Rabenhof Theater, ein Text von dem Dirk Stermann, „Sechs Österreicher unter den ersten fünf“. Da hab ich auch schon mit meinem Würstelstand einen kleinen Auftritt ghabt. Und dann haben viele gesagt: Mein Gott, die Frau Resch muss man näher kennenlernen, die holen wir uns nochmal.

Sie stehen selbst auf der Bühne?

Richtig. Ich hoffe, ich werde den Herren und Damen da gerecht. Es sind ja auch noch andere Künstler auf der Bühne. Wir haben eine Musikerin, die ist quasi a Obdachlose neben meinem Würstelstand. Direkt von der Straße gholt. Das Fräulein Hilde, das hat a Akkordeon, das ist herzerwärmend. Die Regisseurin hab ich auch schon kennengelernt, Christine Wipplinger, eine ganz tolle Frau. Die arbeitet zum ersten Mal mit diesem Genre am Schubert Theater. Wissens, meine Kollegen sind ja Puppen. Sind ja net alle echt wie i.

Ist das nicht komisch für Sie?

Naja, das ist spannend. Komischerweise macht das eine allein, die tut sich das an. Die Frau Linshalm. Die macht des ganz lustig. Die hat g‘sagt, die spielt alles.

Kommt es zu Konflikten zwischen Ihnen und der Linshalm?

Wir diskutieren manchmal, ja. Zum Beispiel, wenn ich was singen muss, was ich nicht will. Aber letztendlich muss ich mich fügen…

In ihrem letzten Stück hat Frau Resch viele Zigaretten geraucht, deswegen ist ihr Gesicht etwas angesengt.

Sie gibt den Ton an, nicht Sie?

Ja, i bin do schon in einer gewissen Abhängigkeit, das müssen Sie verstehen. Oba dafür geht’s um mich in dem Stück. Das ist ja auch eine Ehre. Und den Co-Autor hab ich kennengelernt, den Stephan Lack, der macht das gemeinsam mit der Manuela Linshalm. Der hat sich meine Geschichte angehört, a Interview mit mir gemacht, so wie Sie jetzt. Hat ein bisserl was dazugedichtet, muss man auch sagen… aber so ist es nun mal am Theater. Damit sich das wer anschaut. Mein Leben allein wär da wohl zu fad.

Welche Figuren treten noch auf?

Es gibt den Herrn Dr. Tannhäusl, einen Medizinalrat, den hab i schon lang ins Herz geschlossen. Der arme Mann hat vor zwei Jahren seine Frau verloren. Ich tät ihn gern verkuppeln.

Dann gibt’s noch den Swoboda Kurtl, a gute Seel, aber das Leben hat’s net gut gmeint mit ihm. Mein Würstlstand ist fast sein Wohnzimmer. Er kriegt jeden Tag sein Bier. Wir plaudern. Bin i ned so allein, is er ned so allein.

Und ich habe gehört, dass es auch eine Ratte gibt?

Resch: Davon weiß ich nix.

Puppenspielerin Linshalm zur Puppe: Nein, Frau Resch, davon wissens nix. Es gibt eine Ratte. Ja, die kennen Sie gar nicht.

Resch: Achso? Da haben Sie mir jetzt aber was verraten. Was ist mit der Ratte?

Linshalm: Das müssens aber wieder vergessen fürs Stück, ja? Die wohnt bei Ihnen in der Mülltonne.

Resch: Wos? Ich schau doch so auf Hygiene! Ich hab a Ratte in der Mülltonne? Scheiße. Was ist mit der?

Linshalm: Naja, die ist recht gescheit. Die hat das Leben wirklich verstanden.

Resch: Dann hätt ich sie aber gern kennengelernt. Ich muss da nochmal mit dem Dramaturgen reden. Haben wir einen Dramaturgen?

Linshalm: Nicht wirklich. Wir könnten die Frau Schulz fragen.

Resch: Sie sind auch Dramaturgin?

Ich kann drauf schauen.

Resch: Vielleicht sollten Sie sich mit mir verbünden.Wenn da Figuren reingeschrieben werden, von denen ich nix weiß, weiß i net, ob das so gut is!

Linshalm: Das vergessen wir jetzt wieder.

Ich glaube, Sie sind eine tolle Kollegin, Frau Resch.

Das würde mich freuen.

Gibt es noch etwas, womit Sie abschließen wollen? Vielleicht mit Ihrem Lebensmotto?

Alles hat ein Ende, nur die Wurscht hat zwa. Das ist viel philosophischer, als es klingt. Denken Sie drüber nach!

Die Welt ist ein Dorf. Nein, in Wien ist die Welt ein Würstelstand.

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Puppen sterben besser. Doch sie sind solche Diven!

Ab Halloween lässt sich am Schubert Theater eine Woche lang schönstes Figurentheater zum Thema Tod
genießen: Vom 31.10 – 6.11. findet das dritte PUPPEN STERBEN BESSER FESTIVAL statt. Im Atelier
erhalten zwei der Figuren gerade ihren letzten Schliff. Ein Werkstattgespräch mit Festivalleiterin Lisa
Zingerle und den Puppenbauerinnen Barbara Kriegl und Rebekah Wild.

Redaktion: Jana Schulz
Fotos: Sebastian Kainradl

Warum sterben Puppen besser?

Zingerle: Die Schönheit des Figurentheaters liegt darin, dass man toten Objekten Leben einhaucht – und
auch wieder entzieht. Oft ist das für das Publikum greifbarer und ergreifender, als klassisches „Menschentheater“. Dort sieht man ja doch, dass der Schauspieler atmet. Auch wenn er vielleicht gerade den schönsten Theatertod gestorben ist, den es auf der Bühne gibt.
Wenn aber eine Puppe nicht mehr bespielt wird, ist sie wirklich leblos.

Kriegl: Puppen können übrigens alles besser. Nicht nur sterben.

Ein Schwerpunkt zum Tod drängt sich also geradezu auf bei einem Puppen-Festival?

Zingerle: Das ist jedenfalls der Ausgangspunkt des Festivals. Der Tod wird in unserer Gesellschaft
tabuisiert – dabei ist das eines der wenigen Themen, das uns ausnahmslos alle betrifft. Unser Körper hat
einfach ein Ablaufdatum. Je nachdem, wie gut wir ihn umsorgen, etwas früher oder später.

Die ersten Festivaltage werden mit einem Kurztheater über zwei beeindruckende alte Frauen
eröffnet: GOYA WEIBER, einer Kooperation von Wild Theatre und Theater Fidlfadn. Wie kam es dazu?

Wild: Zuerst wollten wir ein Märchen machen, konnten uns aber auf keines einigen. Da gab es keines, das
für ein zehnminütiges Stück für Erwachsene gepasst hätte. Dann haben wir gedacht – lassen wir uns doch
von einem Künstler inspirieren. Ich liebe Francisco de Goya, eigentlich alles von ihm, besonders aber
diese kleinen Serien über Hexen und alte Frauen.
Kriegl: Wir haben dann geschaut, welche Bilder eine schöne Geschichte ergeben.
Wild: Und hier sind sie, die zwei Puppen. Die beiden sind übrigens solche Diven!

Kriegl: Ja, jedes Mal, wenn wir geglaubt haben, wir sind schon fertig, haben die Puppen noch irgendeine
Änderung gewollt! Und wir dachten: Na gut, machen wir das noch. Und das noch. Eigentlich sollten es
ganz einfache Figuren sein. Ach nein, machen wir noch die Arme geschnitzt. Und die Beine. Und, und,
und…
Wild: Wirklich! Und das für ein ganz kurzes Stück. Ich mache sehr gerne so kurze Stücke. Man braucht
nicht viel. Trotzdem – jede Aktion verlangt eine gewisse Technik von der Figur, die die dann eben
können muss. Wir haben uns auch wirklich den Luxus gegönnt, gründlich dran zu arbeiten. Weil es ein
Kurzstück ist, ist man flexibler als bei einem langen – man muss ja keine Stunde füllen, man kann
wirklich nur die allerbesten Szenen nehmen.
Kriegl: Das Problem beim Figurenbau ist natürlich, dass der Aufwand der gleiche ist wie bei einem
abendfüllenden Stück.
Wild: Naja, und wir sind auch beide Perfektionistinnen.
Kriegl: Wir haben uns dann gegenseitig immer weiter aufgeputscht.

Diven, sagt ihr. Die Puppen entwickeln also ein Eigenleben. Ist das immer so?

Wild: Oh ja, das ist immer so!

Wenn ich eine Frage direkt an eine der Goya-Damen richten darf: Gibt es ein bestimmtes Ziel, das Sie mit Ihrem Auftritt verfolgen?

Puppe: Wir wollen unsere Schönheit präsentieren.
Kriegl: Beim Stück werden die beiden aber gar nicht sprechen, wir kommen ohne Worte aus.
Wild: Ich arbeite vorwiegend nonverbal. Ich liebe Worte und Dichter, aber Figurentheater hat so viele
Möglichkeiten, ohne Worte etwas zu sagen. Und auch dem Publikum eröffnet es andere Möglichkeiten –
es ist eine andere Art des Zuschauens. Es bedient andere Schalter im Hirn.
Zingerle: Das Spannende ist: Je weniger Sprache man verwendet, desto persönlicher kommt das Stück
daher, und desto persönlicher nimmt das Publikum es auf. Ohne Sprache fallen noch mehr Barrieren weg,
man kann es noch leichter auf sich beziehen.
Kriegl: Und Scott Wallace spielt dazu live auf ungewöhnlichen Instrumenten. Xaphoon und Bodhran,
vergleichbar mit Flöte und Trommel.

Zingerle: Ich freue mich besonders, dass wir beim Festival diesmal gleich drei Produktionen mit Live-
Musik haben: Neben den GOYA WEIBERN auch IM BLUT und LIEBESG’SCHICHTEN UND TODESSACHEN.

Inwiefern geht es bei den anderen Produktionen um den Tod?

Zingerle: Bei IM BLUT von Christoph Bochdansky und den Strottern geht es eigentlich um gescheiterte
Existenzen. Nicht immer ist es eine Person, die stirbt, sondern vielleicht auch mal ein Projekt. Oder eine
Romanze. Und dann muss man Abschied nehmen, und etwas gehen lassen. Das wird bei IM BLUT
zelebriert. Und bei LIEBESG’SCHICHTEN UND TODESSACHEN erleben wir einen
autobiographischen Abend von Barbara Spitz. Sie vereint dabei auf vollendete Weise britischen
schwarzen Humor mit wienerischem schwarzem Humor. Auf der Bühne wird sie dabei vom Pianisten
Otmar Binder unterstützt. Und von einem Schweinsbraten, der nicht ganz koscher ist.

Das sind ja schon einige Hinweise, wie wir das Ablaufdatum unseres Körpers etwas enttabuisieren können.

Ja, Humor öffnet nicht nur die Seele, sondern ermöglicht manchmal überhaupt erst Diskussionen. Mit
einem Lachen kannst du das Gespräch schneller und leichter eröffnen.
Die große Komödie des Festivals ist ROMEO & JULIA – LIEBE UND TOD IN DER KÜCHE. Hier
erleben wir eine große Materialschlacht und Objektmanipulationen. Kaufmann & Co. nehmen die
Perspektive der Köchinnen der verfeindeten Familien Capulet & Montague ein und stellen Shakespeares
Tragödie in der Küche nach. Die Produktion RAW vom Dramalabel dreht sich schließlich um Tod und
Medizin, Medizin als Gegner des Todes, sozusagen. Wenn wir im Krankenzimmer nur noch
dahinsiechen, ist das auch ein Ausgangspunkt für eine Diskussion – über Sterbehilfe.

Vielen Dank für das Gespräch.

Puppen sterben besser Festival 2019

//english version below//

Puppen sterben besser! Das beweist das Schubert Theater auch bei der 3. Auflage des Festivals und zeigt rund um Halloween, Allerseelen und Allerheiligen amüsant-schauderöses Figurentheater. Internationale Gäste laden ein, sich mit einem Thema zu befassen, das uns alle betrifft – der Endlichkeit.

So erforscht Barbara Spitz (AT) in ihrer Solo-Show „Liebesg’schichten & Todessachen“ mit viel Wärme und noch mehr schwarzem Humor Tabus und skurrile Gebräuche unterschiedlicher Kulturkreise rund ums Sterben. Doch der Tod muss nicht immer das Ende sein: Kaufmann & Co (DE) machen einen der berühmtesten Theatertode zum Ausgangspunkt ihres Stücks „Romeo & Julia – Liebe & Tod in der Küche“. So rasant es hier im Cateringbereich zugeht, so entschleunigend steht dem die Produktion „RAW“ von Edita Valášková und Šimon Dohnálek (CZ) entgegen. Die zwei jungen Puppenspieler bringen eine bewegte und bewegende Metapher über das Unvermeidliche auf eine kleine Tischbühne, die ohne Worte und dadurch umso persönlicher daherkommt. Außerdem zeigen Rebekah Wild (NZ) und Barbara Kriegl (AT), dass manches Alter unterschätzt wird, und laden zu einem Hexenreigen ein – mit zwei alten Hexen, zwei alten Besen, zwei „Goya Weibern“. Und schließlich fürchten wir uns „im Blut“ gemeinsam mit unserem Lieblings-Trio-Fatal, dem Wienerlied-Duo Die Strottern und Christoph Bochdansky (AT) mit seinen tolldreisten Puppen.

 

DAS PROGRAMM:
LIEBESG’SCHICHTEN & TODESSACHEN (Barbara Spitz)
31.10. & 1.11.2019, , 19:30 Uhr
„Liebesg’schichten und Todessachen“, nach „Homesick“ Barbara’s zweite Solo-Show, basiert auf unerwarteten anarchistischen Vor-und Zufällen, die sich am Sterbebett ihrer Eltern ereignet haben. Unterstützt von zwei Puppen, die nicht ganz koscher sind, und dem einzigartigen Flair des Wiener Liedes der 20er und 30er Jahre, erforscht Barbara mit viel Wärme und britischem Humor die Tabus rund um das Sterben. Sie zelebriert Wiens morbide, unsentimentale Liebesaffäre mit dem Tod. Unterstützt von Otmar Binder am Klavier!

WIEN-PREMIERE: RAW (Dramalabel/Edita Valášková & Šimon Dohnálek)
1.11.2019, 18:00 Uhr
raw, rough, unprocessed, abraded, inexperienced, open. A man dying. A person living. We, puppets and Death. Ein berührendes Stück über die Grenzen zwischen Leben und Tod und das Sterben. Die zwei jungen Puppenspieler bringen eine bewegte und bewegende Metapher über das Unvermeidliche auf eine kleine Tischbühne. Ein eigentlich höchst intimer Moment, der wie so Vieles, in unserer durchorganisierten Welt institutionell abgewickelt wird. Ohne Sprachbarriere (sehr wenig Text auf Englisch)

ROMEO & JULIA – Liebe und Tod in der Küche (Kaufmann&Co.)
2. & 3.11.2019, 19:30 Uhr
Romeo und Julia sind tot. Friede herrscht im lieblichen Verona. Ein Fest soll die Freundschaft der Familien besiegeln. Ausgerechnet die beiden Köchinnen der verfeindeten Häuser Capulet und Montague erhalten im Sinne der „Familienzusammenführung“ den Auftrag das Buffet gemeinsam vorzubereiten. Dabei flammt der Konflikt erneut auf. Sie verinnerlichen sich die Tragödie derart, dass sie in die Figuren schlüpfen und vor nichts zurückschrecken. Der Küchentisch wird zum „Kriegsschauplatz“ des Dramas: Gewürzgl.ser formieren sich zum Kampf, eine rote Peperoni verwandelt sich in den nach Julia fiebernden Romeo, Salz und Pfeffer gestehen sich rieselnd ihre Liebe, kleine Dickmänner singen zur Hochzeit Gospel,… Alles mündet in einem riesengroßen Spaß, der Schauspiel- und Objekttheater in Perfektion demonstriert, Poesie und rasante Szenenwechsel miteinander verbindet und beweist, dass Klassik durch den Magen gehen kann.

PREMIERE: GOYA WEIBER (Wild Theatre & Theater Fidlfadn)
31.10. & 1.-3.11.2019, , 19:15 Uhr
Rebakah Wild und Barbara Kriegl lassen sich von Francisco de Goyas Werken inspirieren und zeigen uns, wie zwei alte Hexen auch heute noch tanzen! Unterstützt wird ihr nonverbaler Reigen mit Live-Musik von Scott Wallace. Von und mit Wild Theatre and Theater Fidlfadn.

 

 

IM BLUT (Christoph Bochdansky & Die Strottern)
5. & 6.11.2019, 19:30 Uhr
Ein Abend mit puppengespielten Miniaturen und Liedern über Existenzen, die versuchen ihre Wünsche einzufangen und dabei, wie soll´s auch anders sein, doch nur stolpern. Diese Geschichten werden begleitet und mit Liedern kommentiert von dem Wienerlied-Duo „die Strottern“. Ein Symposion über Geschichten des Umfallens und des Schmunzelns darüber, mit Musik und Puppenspiel. Wieso auch nicht, sich einen Abend der Sentimentalität leisten.

 

Das Puppen sterben besser-Festival 2019 ist durch die ambitionierte Bezirksvorstehung Alsergrund gefördert. Wir danken herzlich!

 

 

Puppets die better-Festival

Puppets die better! The Schubert Theater proves this again at the third edition of the festival and shows amusing-dreadful puppet theater around Halloween, All Souls and All Saints. International guests invite you to engage with a theme that affects us all – finitude.

In her solo show „Liebesg’schichten & Todessachen“ Barbara Spitz explores the taboos and bizarre customs of different cultures surrounding death with much warmth and even more black humor. But death does not always have to be the end: Kaufmann&Co makes one of the most famous theater endings the starting point of their play „Romeo & Julia – Love & Death in the Kitchen“. As rapid as it gets started in the catering sector, so decelerating stands the production „RAW“ by Edita Valášková and Šimon Dohnálek opposite. The two young puppeteers bring a moving and evocative metaphor about the inevitable to a small table stage. Only a few words are said, thus the more personal it gets. Rebekah Wild and Barbara Kriegl show that some ages are underestimated and invite us to a Hexenreigen – with two old witches, two old brooms, two „Goya hags“. And finally, we are getting the shivers „im Blut“ together with our favorite trio fatal, the Wienerlied-Duo Die Strottern and Christoph Bochdansky with his fantastic puppets.

Die Welt ist ein Würstelstand

„Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.“ – Resi Resch

Betrachtungen der Würstelverkäuferin Resi Resch über die Welt und die Menschen – ein scharfes Auge, offenes Ohr und großes Herz. Mit einer gehörigen Portion wienerischen Pragmatismus’ und granteliger Philosophie.


Sie ist herzlich, grantig und urwienerisch: Resi Resch, die Betreiberin des besten Würstelstands der Stadt, eine Heldin des Alltags. Auf alle Lebensfragen hat sie eine Antwort parat. Und ihre Kund*innen haben ihren Rat dringend nötig. Der Hofrat etwa, der seit dem Tod seiner Frau nicht weiß, was er mit seiner zweiten Würstelhälfte machen soll. Die amerikanische Touristin, die die Lipizzaner sucht und Pferdeleberkäse bekommt. Der Obdachlose, die Immobilienmaklerin, die Ratte in der Mülltonne – alle virtuos von Manuela Linshalm zum Leben erweckt und serviert auf einem musikalischen Teppich wienerischer Popklänge von Heidelinde Gratzl am Akkordeon.

Kritiken

„Ein Muss für Theater-, Menschen- und Würschtelfreunde.“ Barbara Mader, Kurier

„Die Puppenspielerin Manuela Linshalm lädt ein in die sehr wienerische Welt der Würstelverkäuferin Frau Resch. (…) Linshalm handhabt mindestens sechs verschiedene Klappmaulpuppen souverän und gibt auch ihren Wiener Sound treffend wieder.“ Martin Pesl, Falter Wochenzeitung

„(…)eine herzzerreißend komische Ode an den Wiener Würstelstand“ (…) Hut ab vor so viel Vielfalt und Talent.“ NÖN

„Die Welt ist ein Würstelstand“ ist eine Gesellschaftsgeschichte von der Straße. Melancholisch, humorvoll, würzig. Und Resi Resch ein Publikumsliebling, denn ihr Charme ist unwiderstehlich. Was ist ihr Geheimnis? Hier geht es zu einem persönlichen Interview mit der Klappmaulpuppe:
Interview mit Resi Resch

Dauer: ca. 90 Minuten
Uraufführung: 21. November 2019
Weitere Termine werden zeitnah im Spielplan veröffentlich.

 

Team

Idee: Manuela Linshalm
Buch: Manuela Linshalm und Stephan Lack
Spiel: Manuela Linshalm
Regie: Christine Wipplinger
Musik: Heidelinde Gratzl
Puppen: Nikolaus Habjan, Manuela Linshalm, Marianne Meinl, Lisa Zingerle
Kostüm: Lisa Zingerle, Manuela Linshalm
Fotos: Barbara Palffy, Sebastian Kainradl

Eine Produktion des Schubert Theater Wiens.

Unterstützt durch die Stadt Wien und dem Bundesministerium.

Endlich die Endlichkeit überwinden!

Sprechende Gedärme aus Latex, eine Enthauptung im Dienste der Wissenschaft und bulgarisches Joghurt, das ein bisschen unsterblich macht. Ein Besuch in der Werkstatt der Spitzwegeriche.

Vier wunderschöne Gehirne hängen im Atelier herum. Sie sind besser als echt – doppelt so groß, und sie werden Erstaunliches auf der Bühne vollbringen. Hinter dieser besonderen Uraufführung steckt aber auch reichlich echtes Hirnschmalz. Woher kommt der Stücktext? „Wir verwenden beispielsweise Passagen aus dem dystopischen Roman Wir von Ewgeni Samjatin. Aber auch Ausschnitte aus Interviews mit bekannten Posthumanisten. Die sind faktisch, aber so größenwahnsinnig, dass man sie für Fiktion halten möchte“, erklärt Birgit Kellner. Mit Christian Schlechter arbeitet sie im Atelier gerade an den schillernden Figuren für Einfrieren, Hochladen, Weiterleben.: Körperteile, Chromosome, ein abgeschlagener und gefrorener Kopf. In drei Tagen beginnen die Proben, am 25. September ist Premiere.

In einen Kryonik-Behälter passt entweder ein Leib oder fünf Köpfe. 200 000 Dollar kostet es, den ganzen Körper einfrieren zu lassen, 80 000 wenn es nur das Haupt sein soll. Was nach Science Fiction klingt, ist in den USA und Japan längst ein Geschäftsmodell. Die wichtigste Zielgruppe sind reiche, alte, weiße Männer, die nicht sterben wollen. Sie setzen ihre Hoffnungen auf die Zukunft – vielleicht sind Medizin und Technologie eines Tages soweit, sie wieder auferstehen zu lassen. 

Eine andere Phantasie zum Thema Unsterblichkeit ist das Hochladen des menschlichen Bewusstseins in die Cloud. Einige Unternehmen im Silicon Valley sind auf entsprechende Forschung spezialisiert. Wo früher nur die Religion herhalten konnte, macht heute auch die Technologie Versprechungen. Gestern der Himmel, heute die Cloud? Das Bild ist ähnlich, der Inhalt auch – es geht um Glaube, Hoffnung und Größenwahn.

In acht Kapiteln wird die Gruppe Spitzwegerich von diesen Träumen und Transformationen erzählen. Wie bei Welcome to the insects bespielen Kellner und Schlechter mit ihren Figuren die Bühne des Schubert Theaters, gemeinsam mit Schauspieler Simon Dietersdorfer und Musiker Manfred Engelmayr. Die Musik greift abstrakte Ideen von der Unsterblichkeit auf – da lässt sich etwa mit der Shepard-Skala spielen, einer akustischen Illusion, die unseren Ohren eine unendlich ansteigende Tonskala vorgaukelt. Im Universum von Einfrieren, Hochladen, Weiterleben. ist außerdem Platz für wissenschaftliche Experimente, Mythen und historische Kuriositäten – wie das klassische Amputationsexperiment (Wurm wird zerschnitten, Wurm wächst nach), den riesigen Hype um bulgarischen, lebensverlängernden Joghurt im Jahre 1908 und einen gewissen Mondhasen, der das Elixier der Unsterblichkeit rührt. 

Eine bildgewaltige Inszenierung, in der es um nichts Geringeres geht als die Überwindung unserer Endlichkeit. Und in Folge auch die Überlegung, ob diese überhaupt ein erstrebenswertes Ziel darstellt. In Österreich ist es bislang verboten, sich einfrieren zu lassen. Gäbe es die finanziellen und rechtlichen Hürden nicht, würden sich die Spitzwegeriche dann einfrieren lassen? Sie sind sich einig: Nein. Und Sie?

Vorstellungen: 25.9., 26.9., 27.9., 19:30

Schubert Theater Wien

Redaktion: Jana Schulz, Fotos: Spitzwegerich