Internationales Figurenfestival 2020

—– VOREST ABGESAGT —–

Ein Fest für Held*innen
19. – 22. März 2020

Sie sind unsere Werkzeuge, unsere Inspiration und unser Antrieb: Puppen, Figuren und Objekte. Rund um den Welttag der Puppe am 21.3.2020 laden wir zu einem Fest für unsere Held*Innen beim Internationalen Figurenfestival am Alsergrund!

Mit Ovids Metamorphosen als Inspiration erschafft Aristoteles Chaitidis eine neue Heldensaga und tauscht in „Wenn Götter das dürfen…“ die Rax gegen den Olymp. Aber wollen die Götter überhaupt auf diese Erde zurück? Vielleicht kann die listige „Tilda Eulenspiel“ helfen, mit der Rebekah Wild eine ironische Hommage an alle Närrinnen und Narren als freches Kurztheater auf eine unkonventionelle Bühne bringt. In „PLASTIC HEROES“ zeigt der israelische Künstler Ariel Doron einen kritischen Blick auf absurd-heroische Kriegswelten im Kinderzimmer. Eine überraschende, lustige und rasante Collage von Kriegsbildern mit alltäglichen Spielsachen als Protagonisten, die es trotz des harten Themas schafft, das Publikum auf wilde und erfrischende Weise in den Bann zu ziehen.

Neben dem Festivalprogramm gibt es die einzigartige Möglichkeit, einen Workshop für Objektmanipulation bei Ariel Doron zu besuchen. Dorons Stücke werden auf Festivals in der ganzen Welt gefeiert und er zählt zu den erfolgreichsten Puppenspielern seiner Heimat.

Drei Premieren, die dem internationalen Tag des Puppenspiels am 21. März alle Ehre machen.

Foto: Plastic Heroes/ANAEL RESNICK

Wien-Premiere: PLASTIC HEROES
Antikriegs-Puppentheater mit Plastikspielzeug für Jugendliche und Erwachsene
21. März, 19:30 Uhr & 22. März, 18:00 Uhr
Der Krieg steht vor der Tür. Höchste Zeit, ein Held zu werden! Helikopter landen, Soldaten marschieren auf. Doch die Soldaten sind aus Plastik, das Schlachtfeld passt auf einen Tisch, und die Heimat ist eine blonde Puppe, die aus der Ferne von einem Bildschirm lächelt. Mit Hilfe von handelsüblichem Spielzeug – Soldaten und Panzern, Barbiepuppen und Plüschtieren – nimmt Ariel Doron medial inszeniertes Heldentum auf die Schippe. Das Kinderzimmer wird zum Kriegsschauplatz, die Unschuld des Spiels trifft auf die Realität der Erwachsenen. Ein witziges, absurdes und wildes Antikriegs-Puppentheater für ein Publikum, das die Kinderspiele noch kennt, aber schon auf dem Weg in die Erwachsenenwelt ist. Ariel Doron studierte Figurenspiel und Film in Jerusalem und Tel Aviv und zählt zu den erfolgreichsten Puppenspielern seiner Heimat. Er ist mit seinen Stücken auf Festivals in der ganzen Welt eingeladen. In Wien wird er außerdem am Sonntag, 22.3.2020, einen Workshop rund um Objekttheater und -manipulation geben.
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Uraufführung: „Wenn Götter das dürfen*“
Objekttheater nach Ovids Metamorphosen
19. & 20. März, 19:30 Uhr; 21. März 15 Uhr
Zwei Gestalten betreten den Schauplatz. Es sind Hera und Hermes. Sie wollen die Bühne für die Rückkehr der Götter vorbereiten. Doch die Welt ist verwüstet, der Planet voller Müll. Die einst blühenden Landschaften nun öde Halden. Während die Götter durch herumliegenden Müll und ausrangierte Gebrauchsgegenstände waten, treffen sie auf alte Bekannte aus Ovids Metamorphosen. Noch einmal zum Leben erweckt, erzählen sie von ihrem einst edlen Schicksal: Unser aller Narziss, das selbstverliebte Erfolgsmodell der Netzgesellschaft;  Niobe, die Überhebliche, deren Selbstoptimierung zu Hybris führt;
Teiresias, der Seher, der sich für keines der beiden Geschlechter entscheiden will!
Was einst war, verwandelt sich in Neues, und Neues vergeht in Gewesenes. Doch bleibt der Kreislauf der Gestalten auch in Zukunft erhalten? Lohnt es sich überhaupt, die Erde für die Menschheit zu retten? Und was sagt Gaia, unsere Erde, eigentlich dazu? Erträgt sie ein weiteres Weltenalter mit Menschen und Göttern und allem, was diese anrichten?
Auf der Schubert-Bühne verwandeln sich Ovids Geschichten in ein allegorisches Zukunftsspektakel, wo allzu Göttliches nur allzu menschlich erscheint.
*dann dürfen wir auch
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Uraufführung: TILDA EULENSPIEL
Freches Kurztheater für Individualisten
20. März, ab 18:00 Uhr; 21. März, ab 15:00 & ab 18:00 Uhr; 22. März, ab 16:30 Uhr
Power, Money, Fame – Willkommen in Tilda Eulenspiels Erfolgsseminar! Ironisch, feministisch und kritisch hinterfragt Rebekah Wild in ihrem Kurztheater für einen Publikumsgast die heutige Gesellschaft und ihre Wünsche. Mit Witz und Charme verführt Tilda ihre Gäste, um mit wenig an viel zu kommen. Dabei fordert sie das Publikum heraus, sich selbst und gesellschaftliche Reize nicht ganz so ernst zu nehmen, denn das Streben nach Macht, Geld und Ruhm kommt nicht immer zu einem glanzvollen Ende.
Mehr Info in Kürze…

Publikumsgespräch: Held*innen-TALK
22. März, 19:00 Uhr
In der Saison 19/20 bietet das Schubert Theater ein neues Format: Publikumsgespräche zu aktuellen Themen aus dem Spielplan. Im Anschluss an die letzte Vorstellung des Festivals spricht Dramaturgin Jana Schulz mit den Künstler*innen des Festivals über Held*innen, Figurentheater und mehr bei einer offenen Publikums-Diskussionsrunde. Der Eintritt ist frei.

WORKSHOP Objektmanipulation
22. März, 10 – 14 Uhr, Schubert Theater Wien
Im Rahmen des Internationales Figurenfestival am Alsergrund gibt es die einzigartige Möglichkeit, einen Workshop für Objektmanipulation bei dem Objekttheaterkünstler Ariel Doron zu besuchen. Dorons Stücke werden auf Festivals in der ganzen Welt gefeiert und er zählt zu den erfolgreichsten Puppenspielern seiner Heimat Israel.
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PROGRAMM-Überblick:
DO 19.3.2020
19:30 Uhr: Premiere „Wenn Götter das dürfen…“

FR 20.3.2020
ab 18:00 Uhr: Premiere „Tilda Eulenspiel“
19:30 Uhr: „Wenn Götter das dürfen…“

SA 21.3.2020
ab 15:00 Uhr: „Tilda Eulenspiel“
16:30 Uhr: „Wenn Götter das dürfen…“
ab 18:00 Uhr: „Tilda Eulenspiel“
19:30 Uhr: Wien-Premiere „Plastic Heroes“

SO 22.3.2020
10-14 Uhr: Workshop Objektmanipulation mit Ariel Doron
ab 16:30 Uhr: „Tilda Eulenspiel“
18:00 Uhr: „Plastic Heroes“
19:00 Uhr: Publikumsdiskussion

 

Festivalleitung: Lisa Zingerle
Mit freundlicher Unterstützung durch die Bezirksvorstehung Alsergrund und die Botschaft des Staates Israel in Wien sowie der israelitischen Kultusgemeinschaft Wien.

PLASTIC HEROES

“War is about to begin,
 now is the time to become heroes.

 But the soldiers are plastic,
the battlefield a table 
and home is just a distant image on a screen.

 In a combat with no clear enemy or goal,
the border between reality and fantasy blurs:

is this really happening,
or is it all just a game?”

PLASTIC HEROES ist eine überraschende, witzige und rasante Collage aus Kriegsbildern, die ausschließlich aus „gebrauchsfertigen“ Kinderspielzeugen besteht.

Gewalt, Begierde, Hass und Angst werden auf einem einfachen Tisch serviert, während das sogenannte „naive“ Kinderspielzeug zum Leben erweckt wird. Die Unschuld des Kinderspiels trifft auf die blutige Realität des Erwachsenenkrieges.

Durch die Kombination verschiedener Techniken der Objektmanipulation, den Einsatz von Videos und dem Schauspiel Doron’s gelingt es „Plastic Heroes“, gleichzeitig lustig und schmerzhaft zu sein, und sich mit schwierige Themen auseinander zu setzten, während dem Publikum ein wildes und erfrischendes Puppenerlebnis geboten wird.

PHOTO BY ANAEL RESNICK

Über Ariel Doron
Ariel ist Puppenspieler, Regisseur und Performer. In seiner Arbeit verwendet er sehr wenig Text und viel Verspieltheit, um sich mit harten, sozialen und politischen Themen auseinanderzusetzen. Er tut dies mit einer Mischung aus Puppenspiel- und Aufführungstechniken aus verschiedenen Disziplinen, mit der Hoffnung, die Zuschauer zum Fühlen, Denken und Reagieren zu inspirieren. Seine Shows wurden zu unzähligen Festivals und Theatern eingeladen in Ländern wie Deutschland, Dänemark, Frankreich, Russland, Indien, Großbritannien, Kanada, Estland, Israel, Finnland, der Türkei, Italien, Spanien, Polen, der Tschechischen Republik, Griechenland, Bulgarien eingeladen. Schweiz, Österreich, Litauen und vielen mehr.

Gegenwärtig lebt Ariel in Deutschland und arbeitet mit Theatern und Institutionen zusammen wie dem Theater Junge Generation Dresden, dem Maxim Gorki Theater Berlin, dem Schauburg Theater München, dem Staatsschauspiel Dresden, der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HMDK) Stuttgart, Hanut 31 Gallery-Theater Tel Aviv uvm. Ariel animierte auch Puppen für Dutzende von Fernseh- und Kinoproduktionen, wie die Sesamstraße in Israel, wo er die geliebte Figur „Elmo“ manipulierte und ihr die Stimme gab.

Er absolvierte ein Kinostudium (B.A.) an der Universität Tel Aviv, studierte Puppenspielunterricht an der Schule für visuelles Theater in Jerusalem und nahm an Meisterkursen und Workshops am Institute International de la Marionette in Charleville-Mezieres und am Train Theatre in Jerusalem teil.
https://www.arieldoron.com/

 

Vorstellung mit wenig und leicht verständlichem Englisch.
Dauer: 45 Minuten
Idee und Spiel: Ariel Doron

Künstlerischer Berater: Shahar Marom
Co-Direktoren: Rotem Elroy und David Lockard
Puppenbau: Chinesen
Video: Anael Resnick, Ariel Doron
Die Show wurde mit Unterstützung des Hanut 31 Theaters produziert
Dank an Anael Resnick, Daniel Cohen Levi, Yoav Weiman, Nufar Sela, Lior Rachmilevitz und dem Pandora Collective.

 

 

Die Gesichter der Hedy Lamarr

„Any girl can be glamorous. All you have to do is stand still and look stupid.“ – Hedy Lamarr

Traumhaft und traumatisch zugleich war das Leben der Wienerin Hedwig Kiesler, die in Hollywood Karriere machte. Die Tragikomödie erzählt die Abenteuer einer Frau mit vielen Gesichtern: aus Hedwig Kiesler wurde Hedy Lamarr, Stilikone, Filmschauspielerin, Verrückte und Erfinderin, Verführerin, Gefangene, Opfer und Täterin zugleich.


Auf einen kometenhaften Aufstieg folgt ein herber Absturz der „schönsten Frau der Welt“, die in der Öffentlichkeit als kriminelle Geisteskranke abgestempelt wird. Für ihr unvergleichliches Gesicht vergöttert, wurde ihre Intelligenz meist unterschätzt. In der Liebe und der Auswahl ihrer Partner stets fortschrittlich und selbstbestimmt handelnd, sieht sie ihren eigenen Selbstwert mit dem Verlust ihrer Schönheit schwinden. Zahlreiche Schönheitsoperationen und ihre Bemühungen sich immer wieder neu zu erfinden münden in einen Verrat an der eigenen Seele.

Hedy Lamarr ist ein Gesicht, eine Maske, zuweilen auch eine Fratze hinter der wir die Wahrheiten ihres Lebens nur erahnen können, eine Geschichtenerzählerin, die Märchen aus dem Stoff ihres eigenen Lebens wirkt. Dabei versteht sie nichts besser als sich selbst die Rolle der Hexe und Prinzessin zugleich zu geben. In jedem Fall aber spielt sie immer die Hauptrolle.

Regisseurin und Puppenbauerin Kai Anne Schuhmacher inszeniert „Die Gesichter der Hedy Lamarr“ als leidenschaftliche Wahrheitssuche über eine abgründige Heldin.

Kritiken

„Mit viel Humor und leidenschaftlicher Hingabe wird das turbulente Leben der Berühmtheit nachgezeichnet, (…) inszeniert in einer dichten und spannenden Suche nach dem wirklichen Gesicht Hedy Lamarrs.“ Sieglinde Wöhrer, Neue Vorarlberger Zeitung

„Am Ende langer Applaus (…). Verdient.“ Monika Schneider-Stranninger, Straubing

Dauer: ca. 85 Minuten
Uraufführung: 23. Jänner 2020

 

 

Buch, Regie & Puppenbau: Kai Anne Schuhmacher
Spiel: Soffi Povo und Markus-Peter Gössler
Ausstattung: Kai Anne Schuhmacher
Photos: Barbara Palffy, Sebastian Kainradl
Idee & Produktionsleitung: Lisa Zingerle

Inhaltshinweis: Gewalt/Ohrfeige einer Puppe

Eine Produktion des Schubert Theater Wiens.

Unterstützt durch die Stadt Wien und dem Bundesministerium.

Mein Mann ist Vegetarier geworden, das war der Scheidungsgrund

Am 21. November 2019 hat „Die Welt ist ein Würstelstand“ im Schubert Theater Wien Premiere. Wurst, Kaffee und ein Interview mit einer charismatischen Klappmaulpuppe.

Redaktion: Jana Schulz
Fotos: Sebastian Kainradl

Die resolute Frau Resch betreibt ihren Würstelstand mit Herzblut, steht aber in einer gewissen Abhängigkeit zu ihrer Puppenspielerin.

Frau Resch, was ist die beste Wurst?

Die Käsekrainer, die ist am Würzigsten. Da muss ma an Gschissenen dazu essen, an süßen Senf. A Eitrige mit an Buckl und an Gschissenen, das ist urwienerisch.

Wir waren ja gerade Wurst essen am Würstelstand am Hohen Markt. Können Sie dieses Gericht denn überhaupt noch genießen?

Jo. Wissen Sie, Würste, mit Maß und Ziel genossen, schaden auch in größeren Mengen nicht. Die Wurst war relativ gut, ich schätze den Kollegen. I hob jo Bio-Würstel, i weiß net, ob der alles  bio hat.

Wie sind Sie Würstelstandverkäuferin geworden?

Das war mehr Zufall. I hob a Praktikum g‘macht, übrigens hier in diesem Kaffeehaus. Café Heumarkt, 3. Bezirk. Ich war a relativ junges Madl, ich war verheiratet, und, naja, dann hat sich des ergeben. Dann hat mal ein Gastronomiekollege gsagt, er verkauft einen Würstelstand, und dann hab ich mich quasi selbstständig g‘macht. So woa des.

Wann war das?

Jesses, des ist 33 Joah her.

Und hat sich seither etwas verändert?

Mein Gott, es gibt so viele Vegetarier. Das ist geschäftsschädigend. I waaß net. So a pickerte Glasnudel? Des brauch i net. Na. Einmal bin ich schon gefragt worden, ob ich Tofu-Würschtl hab. Da hab ich gesagt, bevor ich sowas verkauf, leg i mi am Zentralfriedhof.

Mein Mann ist vor a paar Jahr‘ Vegetarier geworden, das war der Scheidungsgrund. Wissen Sie, das geht net. Wenn man 33 Joah einen Würstelstand hat, und dahaam soll i nur noch Tofu und Erbsen kochen – des geht net zamm. Da sind lang erworbene Lebensauschauungen aufeinandergeprallt. Wissens, das ist, wie wenn Sie in der Flüchtlingshilfe arbeiten und mit einem FPÖ-ler verheiratet sind. Das geht sich net aus. Mir geht nix ab. Ich hab meine Leut, meine Kunden, ich hab eine Aufgabe, das ist schee.

Mein Leben, das is schon der Stand. Schauen Sie sich das Stück an, da erfahren Sie mehr.

Wie ist der Alltag als Würstelstandbetreiberin?

Ich bin quasi völkerverbindend. Zu mir kommt alles. Ich kann auch a bissl ausländisch. Ich erzähl den Touristen, wo‘s schee is, wo sie hingehen sollen. Letztens hat eine die Lipizzaner gesucht. Ich hab ihr dann einen Pferdeleberkäs verkauft. Den Witz hot sie net verstanden… Und dann hab ich ihr von den wirklich interessanten Dingen erzählt und sie zur Gruft gschickt. Ich mein die Gruft für die Obdachlosen. Der Kurt Swoboda, ein Stammkunde von mir, arbeitet dort manchmal ehrenamtlich, der kocht dort, dafür hat er sich von mir ein Würstelgulasch abgeschaut.

Gibt’s auch Deutsche, die Wiener bestellen?

Ja, denen muss ich das immer erklären, dass des bei uns die Frankfurter san. Sie kapieren des net. Gibt schon viele Deutsche. Aber die können ja nix dafür. Sind ja trotzdem liebe Leut.

Ich bin da weltoffen. Wer kann denn was dafür, wo er geboren wird? Wenn er zu mir kommt, kriegt er sei Wurscht. Ich selbst brauch gar net in der Weltgeschichte herumfahren, zu mir kommen eh alle.

Wie sind Ihre Öffnungszeiten?

Meistens sperr ich um 10 auf. Und zusperren tu ich, wenn keiner mehr kommt.

Da arbeiten Sie aber schon viel.

Das ist Arbeit, ja, aber es ist ja auch meine Welt. Da fühl ich mich wohl, da kenn i mich aus. Da bin ich der Chef.

Und wenn Sie mal frei haben, was machen Sie dann?

Naja, ich hab nicht so viel frei. Aber ab und zu Kaffee trinken, so wie jetzt mit Ihnen. Aber lang kann i net, weil der Würstelstand wird von einer Freundin betreut.

Den Herrn Ober kennt Resi Resch noch aus ihrer Zeit als Praktikantin.

Dann kommen wir schnell zur Sache: „Die Welt ist ein Würstelstand“ handelt von Ihrem Leben.

Man macht sozusagen eine Biographie über mich. Es war mir zuerst gar net recht, dass so viel erzählt wird von mir, oba bitte, vielleicht interessiert‘s die Leut. Den Ausgang verrat i noch net, weil sonst kommt jo keiner.

Sie sind nicht zum ersten Mal am Theater.

Ich hab mich schon mal kaufen lassen, ich geb’s zu. Das war damals eine Kooperation zwischen dem Schubert Theater und dem Rabenhof Theater, ein Text von dem Dirk Stermann, „Sechs Österreicher unter den ersten fünf“. Da hab ich auch schon mit meinem Würstelstand einen kleinen Auftritt ghabt. Und dann haben viele gesagt: Mein Gott, die Frau Resch muss man näher kennenlernen, die holen wir uns nochmal.

Sie stehen selbst auf der Bühne?

Richtig. Ich hoffe, ich werde den Herren und Damen da gerecht. Es sind ja auch noch andere Künstler auf der Bühne. Wir haben eine Musikerin, die ist quasi a Obdachlose neben meinem Würstelstand. Direkt von der Straße gholt. Das Fräulein Hilde, das hat a Akkordeon, das ist herzerwärmend. Die Regisseurin hab ich auch schon kennengelernt, Christine Wipplinger, eine ganz tolle Frau. Die arbeitet zum ersten Mal mit diesem Genre am Schubert Theater. Wissens, meine Kollegen sind ja Puppen. Sind ja net alle echt wie i.

Ist das nicht komisch für Sie?

Naja, das ist spannend. Komischerweise macht das eine allein, die tut sich das an. Die Frau Linshalm. Die macht des ganz lustig. Die hat g‘sagt, die spielt alles.

Kommt es zu Konflikten zwischen Ihnen und der Linshalm?

Wir diskutieren manchmal, ja. Zum Beispiel, wenn ich was singen muss, was ich nicht will. Aber letztendlich muss ich mich fügen…

In ihrem letzten Stück hat Frau Resch viele Zigaretten geraucht, deswegen ist ihr Gesicht etwas angesengt.

Sie gibt den Ton an, nicht Sie?

Ja, i bin do schon in einer gewissen Abhängigkeit, das müssen Sie verstehen. Oba dafür geht’s um mich in dem Stück. Das ist ja auch eine Ehre. Und den Co-Autor hab ich kennengelernt, den Stephan Lack, der macht das gemeinsam mit der Manuela Linshalm. Der hat sich meine Geschichte angehört, a Interview mit mir gemacht, so wie Sie jetzt. Hat ein bisserl was dazugedichtet, muss man auch sagen… aber so ist es nun mal am Theater. Damit sich das wer anschaut. Mein Leben allein wär da wohl zu fad.

Welche Figuren treten noch auf?

Es gibt den Herrn Dr. Tannhäusl, einen Medizinalrat, den hab i schon lang ins Herz geschlossen. Der arme Mann hat vor zwei Jahren seine Frau verloren. Ich tät ihn gern verkuppeln.

Dann gibt’s noch den Swoboda Kurtl, a gute Seel, aber das Leben hat’s net gut gmeint mit ihm. Mein Würstlstand ist fast sein Wohnzimmer. Er kriegt jeden Tag sein Bier. Wir plaudern. Bin i ned so allein, is er ned so allein.

Und ich habe gehört, dass es auch eine Ratte gibt?

Resch: Davon weiß ich nix.

Puppenspielerin Linshalm zur Puppe: Nein, Frau Resch, davon wissens nix. Es gibt eine Ratte. Ja, die kennen Sie gar nicht.

Resch: Achso? Da haben Sie mir jetzt aber was verraten. Was ist mit der Ratte?

Linshalm: Das müssens aber wieder vergessen fürs Stück, ja? Die wohnt bei Ihnen in der Mülltonne.

Resch: Wos? Ich schau doch so auf Hygiene! Ich hab a Ratte in der Mülltonne? Scheiße. Was ist mit der?

Linshalm: Naja, die ist recht gescheit. Die hat das Leben wirklich verstanden.

Resch: Dann hätt ich sie aber gern kennengelernt. Ich muss da nochmal mit dem Dramaturgen reden. Haben wir einen Dramaturgen?

Linshalm: Nicht wirklich. Wir könnten die Frau Schulz fragen.

Resch: Sie sind auch Dramaturgin?

Ich kann drauf schauen.

Resch: Vielleicht sollten Sie sich mit mir verbünden.Wenn da Figuren reingeschrieben werden, von denen ich nix weiß, weiß i net, ob das so gut is!

Linshalm: Das vergessen wir jetzt wieder.

Ich glaube, Sie sind eine tolle Kollegin, Frau Resch.

Das würde mich freuen.

Gibt es noch etwas, womit Sie abschließen wollen? Vielleicht mit Ihrem Lebensmotto?

Alles hat ein Ende, nur die Wurscht hat zwa. Das ist viel philosophischer, als es klingt. Denken Sie drüber nach!

Die Welt ist ein Dorf. Nein, in Wien ist die Welt ein Würstelstand.

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Puppen sterben besser. Doch sie sind solche Diven!

Ab Halloween lässt sich am Schubert Theater eine Woche lang schönstes Figurentheater zum Thema Tod
genießen: Vom 31.10 – 6.11. findet das dritte PUPPEN STERBEN BESSER FESTIVAL statt. Im Atelier
erhalten zwei der Figuren gerade ihren letzten Schliff. Ein Werkstattgespräch mit Festivalleiterin Lisa
Zingerle und den Puppenbauerinnen Barbara Kriegl und Rebekah Wild.

Redaktion: Jana Schulz
Fotos: Sebastian Kainradl

Warum sterben Puppen besser?

Zingerle: Die Schönheit des Figurentheaters liegt darin, dass man toten Objekten Leben einhaucht – und
auch wieder entzieht. Oft ist das für das Publikum greifbarer und ergreifender, als klassisches „Menschentheater“. Dort sieht man ja doch, dass der Schauspieler atmet. Auch wenn er vielleicht gerade den schönsten Theatertod gestorben ist, den es auf der Bühne gibt.
Wenn aber eine Puppe nicht mehr bespielt wird, ist sie wirklich leblos.

Kriegl: Puppen können übrigens alles besser. Nicht nur sterben.

Ein Schwerpunkt zum Tod drängt sich also geradezu auf bei einem Puppen-Festival?

Zingerle: Das ist jedenfalls der Ausgangspunkt des Festivals. Der Tod wird in unserer Gesellschaft
tabuisiert – dabei ist das eines der wenigen Themen, das uns ausnahmslos alle betrifft. Unser Körper hat
einfach ein Ablaufdatum. Je nachdem, wie gut wir ihn umsorgen, etwas früher oder später.

Die ersten Festivaltage werden mit einem Kurztheater über zwei beeindruckende alte Frauen
eröffnet: GOYA WEIBER, einer Kooperation von Wild Theatre und Theater Fidlfadn. Wie kam es dazu?

Wild: Zuerst wollten wir ein Märchen machen, konnten uns aber auf keines einigen. Da gab es keines, das
für ein zehnminütiges Stück für Erwachsene gepasst hätte. Dann haben wir gedacht – lassen wir uns doch
von einem Künstler inspirieren. Ich liebe Francisco de Goya, eigentlich alles von ihm, besonders aber
diese kleinen Serien über Hexen und alte Frauen.
Kriegl: Wir haben dann geschaut, welche Bilder eine schöne Geschichte ergeben.
Wild: Und hier sind sie, die zwei Puppen. Die beiden sind übrigens solche Diven!

Kriegl: Ja, jedes Mal, wenn wir geglaubt haben, wir sind schon fertig, haben die Puppen noch irgendeine
Änderung gewollt! Und wir dachten: Na gut, machen wir das noch. Und das noch. Eigentlich sollten es
ganz einfache Figuren sein. Ach nein, machen wir noch die Arme geschnitzt. Und die Beine. Und, und,
und…
Wild: Wirklich! Und das für ein ganz kurzes Stück. Ich mache sehr gerne so kurze Stücke. Man braucht
nicht viel. Trotzdem – jede Aktion verlangt eine gewisse Technik von der Figur, die die dann eben
können muss. Wir haben uns auch wirklich den Luxus gegönnt, gründlich dran zu arbeiten. Weil es ein
Kurzstück ist, ist man flexibler als bei einem langen – man muss ja keine Stunde füllen, man kann
wirklich nur die allerbesten Szenen nehmen.
Kriegl: Das Problem beim Figurenbau ist natürlich, dass der Aufwand der gleiche ist wie bei einem
abendfüllenden Stück.
Wild: Naja, und wir sind auch beide Perfektionistinnen.
Kriegl: Wir haben uns dann gegenseitig immer weiter aufgeputscht.

Diven, sagt ihr. Die Puppen entwickeln also ein Eigenleben. Ist das immer so?

Wild: Oh ja, das ist immer so!

Wenn ich eine Frage direkt an eine der Goya-Damen richten darf: Gibt es ein bestimmtes Ziel, das Sie mit Ihrem Auftritt verfolgen?

Puppe: Wir wollen unsere Schönheit präsentieren.
Kriegl: Beim Stück werden die beiden aber gar nicht sprechen, wir kommen ohne Worte aus.
Wild: Ich arbeite vorwiegend nonverbal. Ich liebe Worte und Dichter, aber Figurentheater hat so viele
Möglichkeiten, ohne Worte etwas zu sagen. Und auch dem Publikum eröffnet es andere Möglichkeiten –
es ist eine andere Art des Zuschauens. Es bedient andere Schalter im Hirn.
Zingerle: Das Spannende ist: Je weniger Sprache man verwendet, desto persönlicher kommt das Stück
daher, und desto persönlicher nimmt das Publikum es auf. Ohne Sprache fallen noch mehr Barrieren weg,
man kann es noch leichter auf sich beziehen.
Kriegl: Und Scott Wallace spielt dazu live auf ungewöhnlichen Instrumenten. Xaphoon und Bodhran,
vergleichbar mit Flöte und Trommel.

Zingerle: Ich freue mich besonders, dass wir beim Festival diesmal gleich drei Produktionen mit Live-
Musik haben: Neben den GOYA WEIBERN auch IM BLUT und LIEBESG’SCHICHTEN UND TODESSACHEN.

Inwiefern geht es bei den anderen Produktionen um den Tod?

Zingerle: Bei IM BLUT von Christoph Bochdansky und den Strottern geht es eigentlich um gescheiterte
Existenzen. Nicht immer ist es eine Person, die stirbt, sondern vielleicht auch mal ein Projekt. Oder eine
Romanze. Und dann muss man Abschied nehmen, und etwas gehen lassen. Das wird bei IM BLUT
zelebriert. Und bei LIEBESG’SCHICHTEN UND TODESSACHEN erleben wir einen
autobiographischen Abend von Barbara Spitz. Sie vereint dabei auf vollendete Weise britischen
schwarzen Humor mit wienerischem schwarzem Humor. Auf der Bühne wird sie dabei vom Pianisten
Otmar Binder unterstützt. Und von einem Schweinsbraten, der nicht ganz koscher ist.

Das sind ja schon einige Hinweise, wie wir das Ablaufdatum unseres Körpers etwas enttabuisieren können.

Ja, Humor öffnet nicht nur die Seele, sondern ermöglicht manchmal überhaupt erst Diskussionen. Mit
einem Lachen kannst du das Gespräch schneller und leichter eröffnen.
Die große Komödie des Festivals ist ROMEO & JULIA – LIEBE UND TOD IN DER KÜCHE. Hier
erleben wir eine große Materialschlacht und Objektmanipulationen. Kaufmann & Co. nehmen die
Perspektive der Köchinnen der verfeindeten Familien Capulet & Montague ein und stellen Shakespeares
Tragödie in der Küche nach. Die Produktion RAW vom Dramalabel dreht sich schließlich um Tod und
Medizin, Medizin als Gegner des Todes, sozusagen. Wenn wir im Krankenzimmer nur noch
dahinsiechen, ist das auch ein Ausgangspunkt für eine Diskussion – über Sterbehilfe.

Vielen Dank für das Gespräch.