Da war ich nicht mehr da

Digitales Maskenspiel von und mit Leni Plöchl
Gastspiel 2022/23

Kinderlieder, Geschichten und Märchen sind das Erbe, das die jüdischen Bewohner*innen eines Altenheims in Tel Aviv aus ihrer Heimat mitnehmen konnten. Leni Plöchl sammelte die Erinnerungen dieser Zeitzeug*innen in ihrem Dokumentarfilm „Wo man singt, da lass dich nieder“ und bringt sie nun live wieder zurück nach Wien.

Foto: Alex Gotter

Das verwendete Filmmaterial, in dem die Protagonist*innen ihre Lebensgeschichten erzählen, wurde von 2013 bis 2017 aufgezeichnet. Ein treibender Motor beim Filmprojekt war die Frage nach der Möglichkeit zu vergeben im Falle von Menschen, die fast nur mehr in ihrer Erinnerung leben, in ihrer Kindheit. Diese starken, frühen Erinnerungen, aber auch Lieder und Gedichte von ehemaligen jüdischen Vertriebenen im Anita Cohen Heim in Israel wurden mit denen von in Österreich lebenden Senior*innen verbunden.
Wie aber erzählt man Geschichte wahrheitsgetreu, frei von Manipulation? Der Film wurde immer wieder neu geschnitten, bis deutlich wurde, dass die Geschichte LIVE erlebbar werden muss. Die Geschichten können nur „wahrheitsgetreu“ erlebt werden, wenn die Regie live miteinbezogen ist.

Mittels Projektion der gefilmten Gespräche auf die Performerin entsteht eine neue, medial erzeugte Zeitzeugin: Leni Plöchl setzt sich die Gesichter der Alten wie eine Maske auf und tritt mit ihnen in Dialog, um ihre Geschichte weiterzugeben. Eine neue Form des Miterlebens und sich Einfühlens, des Mitseins mit den Zeitzeug*innen entsteht. Es wird der Bedrohung durch die traumatische Vergangenheit die eigene, gegenwärtige Identität zur Verfügung gestellt. Ein natürlicher Reflex des Menschen, im Anderen sein eigenes Bild zu finden. Es kommt zu einer Art Spiegelbegegnung, zu einer Brechung des Lichtes, die den Zuseher*innen deutlich, grell und erschütternd vor Augen führt, was unabdingbar zum eigenen Sein gehört: Dass es immer auch das des anderen Menschen miteinschließt.

Durch die Geschichten der Senior*innen erzählt die Regisseurin auch ihre eigene Geschichte.
„Die Wahrheit“ zeigt sich als nicht greifbar. Das deckt sich mit den Erfahrungen der Protagonist*innen:
Man kann nie wissen, wie es wirklich war.

Foto: Alex Gotter

Pressestimmen
„Die Lieder, vor allem aber auch Erzählungen über ihre Kindheit in Österreich, ihre Vertreibung oder gar Flucht und knappes Entkommen aus Konzentrationslagern der Nazis zeigt die Künstlerin als Zeitzeug:innen-Videos […] Dieses ihr Konzept spielt sich auch genial durch (Schnitt: Iklim Doğan, Kamera: Laura Ettel). Damit bekommen die Interviews mit Zeitzeug:innen durch ihre Dreidimensionalität noch viel mehr Lebendigkeit als in einer 2-D-Filmdoku. […] ein spannender Abend“
– Heinz Wagner, KiJuKu

„Ein ganz großer Abend, der sehr bewegt“
–  Daniel Landau, LandauSchnellkritik

„(V)erdiente Wiederaufnahme […] “
– Margarete Affenzeller, DER STANDARD

Termine: 14., 15. und 16. April 2023 im Schubert Theater Wien

Foto: Alex Gotter
Inszenierung, Textredaktion, Performance: Leni Plöchl
Filmmaterial: „Wo man singt, da lass dich nieder“, Leni Plöchl, Österreich/Israel, 2017
Schnitt: İklim Doğan
Kamera: Laura Ettel
Musik: KMET
Sounddesign: Philipp Mold
Outside Eye: Ed. Hauswirth
Mit: Leni Plöchl, Zeitzeug*innen
Fördergeber*innen: Stadt Wien Kultur, Bundeskanzleramt für Kunst und Kultur
Eine Produktion von Leni Plöchl in Kooperation mit dem WERK X-Petersplatz und dem Theater im Bahnhof, Graz

DER WALD VON DEM WIR TRÄUMEN

Ein Traumspiel über wirre und vernünftige Welten

Der Traum, unendliche Weiten.
Wir schreiben das Jahr 2023, und immer noch scheint der fantastisch verworrene Weg des Traumes, der genaueste zu sein, um ganz dicht an uns selbst ran zu kommen.

Eine Reporterin will ein Interview für ihre Sendung „Der Wald von dem wir träumen“ mit dem „Mann im Wald“ machen. Er verhält sich ablehnend und versucht mit aller Macht des Waldes, durch seltsame Gestalten und permanenter Ablenkung vom Thema dieses Interview nicht zustande kommen zu lassen. Da aber (wie wir seit Sigmund Freuds „die Traumdeutung“ wissen) alle Träume Wunscherfüllung sind, kommt das Interview doch zu Stande.

Das Stück ist inspiriert von Ideen und Erfahrungen aus der „psychedelic era“, daher gibt es auch unterschiedliche musikalische und inhaltliche Referenzen an die Beatles. (Sie werden auch persönlich anwesend sein.)

Ein Spiel über Wahrnehmung und Perspektivwechsel, denn diese beiden scheinen unsere einzigen zuverlässigen Begleiter durch unsere Welt zu sein.

Puppenspiel, Puppenbau, Text: Christoph Bochdansky
Reporterin: Andrea Köhler
Musik: Hannes Löschel
Choreografie: Rose Breuss
Fotos: Johannes Novohradsky

Interview: Oachkatzlschwoaf

Ein Interview mit dem Autor Roberto Duarte des Stückes „Oachkatzlschwoaf – oder Die Rebellion der Ratten„.

Foto: Barbara Palffy

„Oachkatzlschwoaf“ – ein mexikanisches Theaterstück kommt nach Wien
Dieser Artikel wurde am 23. November 2021 auf elcapitalino in spanisch veröffentlicht, Übersetzung: Irene Palmetshofer.

Angelehnt an eine Geschichte für Kinder wird das Stück unter der Regie des Mexikaners Rodrigo Martinez, hoffentlich noch lange in Europa aufgeführt.

Wenn es ein Wort gibt, das Roberto Duarte beschreibt, dann ist es Kunst. Ein Schauspielkünstler, der sowohl in Telenovelas, Serien und Filmen zu sehen ist, als auch Theater, Clownerie und Dramaturgie macht. Und es ist genau diese Rolle als Dramaturg, die ihn auf die Bühne des Schubert-Theaters in Österreich gebracht hat, wo derzeit Oachkatzlschwoaf, eine von ihm und Daniel Ferreira geschriebene Geschichte, aufgeführt wird.

Duarte erklärt, dass er, da seine Neffen und Nichten Geschichten liebten, die nur aus einzelnen Sätzen und dazugehörigen Illustrationen bestehen, den Wunsch hatte, selbst ein solches Buch für sie zu schreiben, gemeinsam mit einer Freundin, die die Illustrationen übernehmen würde. Daraus entstand, dass er zehn Sätze für “Colitas de Algodon” (zu deutsch Baumwollschwänzchen) schrieb.

Jahre nachdem er diese Sätze für die Geschichte geschrieben hatte, ergab sich eine großartige Möglichkeit, diese als Theatertext umzusetzen, und so wurden die Charaktere geboren. Ursprünglich sollte das Stück im Theater der UNAM aufgeführt werden, aber schließlich entschied sich die Institution dagegen und das Stück blieb in der Schublade.

“’Colitas de algodón‘ ist ein Stück, das ich vor einigen Jahren zusammen mit Daniel Ferreira geschrieben habe, mit der Absicht, es an der UNAM zu präsentieren, aber aufgrund interner Probleme an der Universität wurde das Projekt nicht durchgeführt“, so Roberto Duarte.

Vor einiger Zeit hat jedoch Rodrigo Martínez, ein Freund von ihm, der in Österreich studiert hat, diesen Text bei einer Ausschreibung eingereicht und schließlich seine Adaption mit Puppen auf der Bühne umsetzen können. So kam es dazu, dass “Colitas de algodón” als „Oachkatzlschwoaf – oder Die Rebellion der Ratten“ in Österreich im Schubert Theater Wien uraufgeführt wurde, und viele Vorstellungen sowie eine Tournee auf verschiedenen Bühnen Österreichs und Deutschlands geplant sind.

Foto: Barbara Palffy

In “Oachkatzlschwoaf”  bekommt das Publikum Einblicke in einen Park, der von Eichhörnchen bewohnt wird, die als royale Herrscher diesen Ortes auftreten. Jedoch bemerken sie nicht, dass sie unter ständiger Beobachtung der Ratten stehen, die aus der Kanalisation heraus feststellen, dass das einzige, was sie von den hochnäsigen Eichhörnchen unterscheidet, die Haare an ihren Schwänzen sind. Die Ratten sehen, dass die Eichhörnchen in den Bäumen leben und die Menschen ihnen Nüsse und Krümel geben. Also beschließen sie, an die Oberfläche zu kommen, aber sie tun es alle gleichzeitig und verursachen mit einem Schrei der Revolution ein Chaos im Park.

Erfreut über den Erfolg der Adaption weist Duarte darauf hin, dass “Colitas de algodón” in Europa sehr aufschlussreich sei, weil der Text eine Satire auf den Umgang mit Rassismus ist und darauf, wie unterschiedliche Hautfarben, oder in diesem Fall unterschiedliche Schwanzhaare, die Privilegien, die Ränge und die Möglichkeit der sozialen Bewegung eines Individuums bestimmt.

„Ich bin sehr glücklich über diese Nachricht, und obwohl wir das Stück mit Blick auf seine Realisierung hier geschrieben haben, ist das Wichtigste, dass dieses Stück, das Daniel und ich mit so viel Enthusiasmus geschrieben haben, bereits vor Publikum aufgeführt wird, es ist bereits lebendig, es ist bereits geboren“, schließt er ab.

Foto: Barbara Palffy

Der nächste Schritt in Hinblick auf dieses Projekt ist der Versuch, es auf mexikanischen Bühnen zu inszenieren. Während Colitas de Algodón in Europa aufgeführt wird, präsentiert Roberto Duarte in Mexiko-Stadt das Stück Placer y Tormento, das ebenfalls aus seiner Feder stammt, im Rancho El Camino de Tony Camil.

 

Nächster Vorstellungstermin:
FR 28.04.2023, 19:30 Uhr mit anschließendem Publikumsgespräch mit Autoren Roberto Duarte Lemus & Daniel Ferreira Aparicio sowie Regisseur Rodrigo Martinez
SA 29.04.2023, 19:30 Uhr

SO 07.05.2023, 18:00 Uhr
MO 08.05.2023, 19:30 Uhr

Reservierungen über den Spielplan möglich.

Spaziergang für die Figur III

ABGESPIELT
Hier gibt es eine Übersicht aller Editionen von „Spaziergang für die Figur“.

Der Zeit voraus

Progressive Ideen, innovative Geistesblitze und visionärer Eifer beim dritten Spaziergang für die Figur
Im Juni 2023

Beim dritten „Spaziergang für die Figur“ nehmen wir uns der Visionär*innen, Pionier*innen und Träumer*innen an. Was wäre unsere Welt ohne dem ständigen menschlichen Drang nach Forschung, Fortschritt und Verbesserung? Dabei ist das eine oder andere Experiment fehlgeschlagen, so manche Firma Pleite gegangen oder die bloße Idee bereits belächelt und verspottet worden. Dabei waren sie nur der Zeit voraus…

Visionen einer anderen Welt machen unsere Pioniere aus. Dabei sind es nicht immer utopische Wünsche einer Verbesserung, sondern auch Ängste und Missstände, die die treibende Kraft hinter einem Traum für eine neue Zeit bilden. Wir tauchen in fünf spannende Biografien des 19. und 20. Jahrhunderts ein, die unser Hier und Jetzt prägen: vom Traum einer elektrifizierten Stadt und dem Albtraum eines dystopischen Endes der Menschheit durch Klimakatastrophen, über ein Film-Produktionshaus für starke Frauencharaktere und die erste Frau Kommerzialrat Wiens bis zum Informationskrieg der Neuzeit über Internetbrowser und Whistleblower. Na, haben Sie schon die ein oder andere Persönlichkeit erkannt? Spazieren Sie mit uns und lernen die Geschichten hinter der Geschichte kennen!

Wir begegnen bei dem Outdoor-Stationentheater am Alsergrund der Unternehmerin Anna Demel, der

österreichisch-amerikanischen Filmschauspielerin Hedy Lamarr, dem Erfinder und Mystiker Nikola Tesla, dem Programmierer und Hacktivisten Aaron Swartz sowie dem Sci-Fi-Schriftsteller Philip K. Dick. Eine Station wird in Kooperation mit dem Artificial Museum als Augmented Reality (AR) zu sehen sein, vergessen Sie also nicht Ihr Smartphone oder Tablet mit Internetzugang. Bei Regen muss der Termin verschoben werden.

Das Bühne Magazin war bei einer Probe dabei und hat diesen Artikel darüber geschrieben.

Premiere: 3. Juni 2023
Dauer: ca. 75 Minuten

TEILNAHME NUR MIT RESERVIERUNG! Wir bitten um Reservierung, da der Spaziergang abgesagt werden muss wenn zu wenige Anmeldungen eingelangt sind. Bei zu schlechtem Wetter (starker Regen, Hagel, Schnee, Höllenfeuer) wird der Spaziergang verschoben.

Hier gibt es eine Übersicht aller Editionen von „Spaziergang für die Figur“.

Text & Regie Lisa Zingerle, Simon Meusburger
Konzept & Projektleitung Lisa Zingerle
Puppen-/Schauspiel Soffi Povo, Markus-Peter Gössler, Angelo Konzett
Puppenbau Soffi Povo, Annemarie Arzberger, Claudia Six, Kai-Anne Schuhmacher, Manuela Linshalm
Lichtdesign Marvin Schriebl
Fotos Julie Dadsétan

Eine Produktion des Schubert Theater Wiens.
Unterstützt durch die Stadt Wien und das Bundesministerium BMKÖS.

Höllenschlund

Eine Reise zur Liebe

Musik-Kabarett in Wiener Mundart von und mit C.W.D. Steiner

Bekanntlich gibt es auf keiner Straße so viele Schlaglöcher, wie auf der Straße zum Glück. Weshalb sich auch nicht mit Bestimmtheit sagen lässt, wie der junge Straßenmusiker Ferdl in jenem verrauchten Innenstadtbeisl gelandet ist, von dem er sich zur Sperrstunde in aller Früh auf den Weg macht, um einen neuen Tag zu suchen. Oder ein neues Ziel. Oder auch nur eine heiße Burenhaut. Und nicht zuletzt: Den Weg dorthin.

Auf nicht allzu ebenem Pflaster gelangt der junge Musiker nach Steinhof, wo er über eine alte Liebe stolpert und zwischen die Spiegel des Spiegelgrunds gerät, als saumseliger Zaungast dem letzten Gefecht zwischen Engel und Teufeln beiwohnt, und einem vermeintlichen Wiener Wunschtraum begegnet: Der Greißlerei in der es Freiheit und Glück gleich aufgeschnitten per Deka und Viertel zu kaufen gibt. Doch die wirkliche Entdeckung steht noch bevor – denn wer keine Angst hat, sich zu verlieren, findet am Ende bisweilen sich selbst. Und sich dabei gar nicht einmal schlecht …

Ein wahrhaft wienerisches Schauspiel über Glückspromenaden, Seitenstraßen und Umwege aus der Feder von Christian Wolfgang Steiner, vom Autor querfeldein und quer über die Budel gespielt und besungen in brandneuen Liedern, Balladen, Moritaten und Gassenhauern in erhebender Wiener Mundart.

Buch, Gesang, E-Gitarre: CWD Steiner
Assistenz: Knox Hohenwarter
Grafik: Bahar Naghibi, Christine Steiner

www.CWDsteiner.at
www.facebook.com/CWDsteiner