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Processing Pinocchio

Ein KI-Theater nach Motiven von Carlo Collodi

2019 entstand ein außergewöhnliches Experiment: Mit einem der ersten frei zugänglichen KI-Sprachmodelle ließen wir das Märchen Pinocchio neu erzählen – roh, naiv, poetisch verstört und voller maschineller Logikfehler. Sechs Jahre später kehren wir in das Pinocchio-Labor zurück und treffen auf die nächste KI-Generation, die längst anders spricht, denkt und fühlt. “Processing Pinocchio“ ist eine Reise durch die Entwicklung von KI, ein Märchen-Update, ein Schöpfungsritual und eine Einladung, über die Zukunft nachzudenken, die wir uns gerade selbst erschaffen.

Märchen trifft auf Technologie

Zwischen Märchenfragmenten und digitaler Illusion entsteht ein Dialog zwischen den zwei Generationen künstlicher Intelligenz. Die zentrale Frage kristallisiert sich deutlich heraus: Was bedeutet es, ein “echtes“ Wesen zu sein, wenn Maschinen beginnen, uns zu spiegeln? Der real drohende Verlust und der im Märchen erwünschte Traum von Wahrhaftigkeit, Glaubwürdigkeit und Menschlichkeit wird zum poetischen Zusammenspiel von Puppe und KI über Bewusstsein, Schöpfung und die Sehnsucht nach Authentizität.

Fortschritt und Widerspruch

Regisseur Simon Meusburger entwickelte 2019 mit “Projekt Pinocchio” mit dem damals frisch gelaunchten Generative Pre-trained Transformer 2, kurz GPT-2, von OpenAI ein einfühlsames Werk über die Möglichkeiten, aber auch Grenzen von KI-Sprachmodellen. Störungen und Bugs im System waren für die Bühne dramaturgisches Gold, und der Name GPT-2 erinnerte an Meister Geppetto, Pinocchios “Schöpfer”. Das Sprachmodell war ein Meilenstein, auch wenn man noch nicht recht wusste, wie es tatsächlich einzusetzen ist. Doch auch Ängste waren von Anfang an dabei, die mit der modernen, verbesserten Chat-Bot-Version noch existenzieller greifen. Missbrauch, Lügen, Rassismus, alles Schlimme der Welt, vor dem wir Pinocchio beschützen wollen, spiegelt sich in der Database der KI wider. Wie können wir unseren kleinen Roboter – und uns – vor uns selbst retten?

Harmonische Symbiose aus Literaturklassiker und moderner Technologie

Auch im Folgewerk “Processing Pinocchio”, das am 20. Februar 2026 beim „Future LAB“ Premiere feiert, wird der Künstlichen Intelligenz auf den Zahn gefühlt: Fragen über Ethik und Regulierung, Grenzen und Privilegien sowie philosophische Thesen über Mensch und Menschlichkeit müssen mit dem Fortschritt der Technologien neu verhandelt und geprüft werden. Bereits mit GPT-2 warnte Jack Clark, damaliger Leiter der Grundsatzabteilung von OpenAI, “Die Regeln, nach denen man Technologie kontrollieren kann, haben sich grundlegend geändert.” Simon Meusburger und sein Team nähern sich diesen Fragen gekonnt künstlerisch-verspielt, in einer bildstarken aber zarten Inszenierung, die einen Klassiker der Literatur überraschend harmonisch mit moderner Technologie verbindet.

Premiere: 20. Februar 2026

21., 22. & 28. Februar, 2. März, 14. & 15. April
Weitere Termine folgen und werden zeitnah im Spielplan freigeschalten.

 

Mit
Stefanie Elias, André Reitter und Markus-Peter Gössler
Regie & Bühne: Simon Meusburger
Text: nach Motiven Carlo Collodis mit ChatGPT erarbeitet
Figurenbau: Michaela Studeny, Stefan Gaugusch
Projektleitung & Kostüm: Lisa Zingerle

Eine Produktion des Schubert Theater Wien. Unterstützt durch

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Das Puppentheater für Erwachsene

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