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Der Krieg mit den Molchen

„Die ganze Zukunft der Welt liegt darin, Erzeugung und Konsum ständig zu erhöhen, und deshalb muss es noch mehr Molche geben, damit sie noch mehr erzeugen, noch mehr fressen. Es lässt sich nicht leugnen, mit den Molchen ist ein ungeheurer Fortschritt in die Welt gekommen und ein Ideal, das ,Quantität‘ heißt.“


Vor Sumatra entdeckt man eine unbekannte Molchart. Die gelehrigen Tiere werden rasch zum globalen Wirtschaftsfaktor: hochintelligente Arbeitssklaven, die an den Börsen in Kategorien wie „leader“ oder „trash“ gehandelt werden und der Menschheit eine Ära nie gekannten Fortschritts bescheren. Es kommt, wie es kommen muss. Technisch versiert und von konkurrierenden Staaten hochgerüstet, wenden sich die Molche schließlich gegen ihre Ausbeuter. Mit quäkender Stimme fordert der „chief salamander“ über den Rundfunk neuen Lebensraum für seine Artgenossen. Und schon werden Küste um Küste, Ufer um Ufer von den Molchen gesprengt und weichen den Seichtgebieten, in denen sie sich gerne tummeln. Die Welt versinkt in den Fluten.
Karel Čapeks satirischer Science-Fiction-Roman aus dem Jahre 1936 nimmt die Bedrohungen der 30er Jahre aufs Korn: Nationalismus, Rassenwahn, kapitalistische Ausbeutung und die totalitären Regime der Zeit. Er bildet in einer schwarzen Parabel den Zustand der Staatengemeinschaft am Vorabend des II. Weltkriegs ab. Thomas Mann äußerte sich 1937 über das neueste Buch des tschechischen Autors: „Lange hat mich keine Erzählung mehr so gefesselt und gepackt. Ihr satirischer Blick für die abgründige Narrheit Europas hat etwas absonderlich Großartiges, und man erleidet diese Narrheit mit Ihnen, indem man den grotesken und schauerlichen Vorgängen der Erzählung folgt.“ Der Roman gehört zur UNESCO-Sammlung repräsentativer Werke.

Regie & Fassung: Martina Gredler
Bühne: Claudia Vallant
Puppenbau: Christoph Bochdansky
Puppenspieler: Aleksandra Corovic, Christoph Hackenberg
Musik: Jana Schulz

Karel Čapek (1890-1938) zählt zu den bedeutendsten tschechischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Nach einem Philosophiestudium arbeitete er als Journalist und Dramaturg. Früh thematisierte er die Bedrohung durch Diktaturen, warnte vor Faschismus und Nationalismus und lehnte den Kommunismus ab. Das Wort Roboter geht auf sein Schauspiel R.U.R. zurück. Karel Čapek starb 1938 an einer Lungenentzündung. Der Gestapo galt er als „Staatsfeind Nummer 2“. Sein Bruder Josef Čapek, Maler und Schriftsteller, wurde bereits 1939 verhaftet, durchlitt die KZs in Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen, bis er schließlich Anfang April 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen verstarb.