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Gedanken zum Theater von heute

von Aristoteles Chaitidis, Regisseur des Stücks „Wenn Götter das dürfen… dann dürfen wir auch!“, welches am 19. März 2020 im Schubert Theater Premiere feiert.

Es kann im Jahre 2020 eigentlich nicht mehr darum gehen, den Theatergänger zu schockieren, zu empören oder gar zu entlarven. Nichts davon muss im Theater geschehen. Die Jahrzehnte davor, in denen dies angeblich geschehen ist, haben die politische, klimatische und wirtschaftliche Situation, in der wir uns befinden, nicht verhindern können. Wozu muss ich im Theater schockiert oder gar mit krassen Bildern – verbal wie graphisch – konfrontiert werden, wenn die Wirklichkeit im Moment so eindringlich dasselbe mit weitaus stärkerer Wucht erledigt? Ein Blick in die Schlagzeilen, in die Internetforen, ins Fernsehen reicht – es ist wirklich egal, wohin man blickt! Man muss auf den Kopf gefallen sein, wenn einen die Situation, in der wir uns befinden, nicht von alleine schockiert, entlarvt, empört!

Theater gehört zu den unmittelbarsten Anschauungsformen, die unsere Kultur hervorgebracht hat. Es dient als hervorragende Projektionsfläche, um in einem überschaubaren Raum Inhalte quasi öffentlich darzulegen und somit im Spannungsfeld zwischen Bühne und Zuschauer zu verhandeln. Diese Inhalte können politischer, historischer, gesellschaftlicher oder individualpsychologischer Natur sein. Gemein ist ihnen die intersubjektive Relevanz und die mentale Intimität, die durch die Wechselwirkung von Projektion und Empathie beim Zuschauer entsteht.  Theater muss empfänglich machen für Diskurse der Seele. Nicht Diskurse des Kopfes allein. Und nicht allein des Herzens. Die Seele muss als Mittlerin zwischen den beiden auftreten und Linderung schaffen, wo das Leben Herz und Verstand entzwei schlägt.

(c) Aristoteles Chaitidis