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Okay

Für eine sinnlose Kultur

Ob kalt, ob warm, ob hoch ob tief, er ging in alle Enden
Doch Eins allein, das ließ er aus, und holt mit seinen Händen
Die eig’nen Augen aus dem Kopf, somit er nicht mehr sähe
Was er gericht’ in dieser Welt mit seiner Gottesnähe.
(aus: „Wenn Götter das dürfen*“)

von Aristoteles Chaitidis

Ein Spaziergang auf dem Kahlenberg ist schön und entspannt. Vor allem, wenn man danach noch hinunter läuft nach Nußdorf, durch die Weinberge, die so lieblich die Stadt an der Donau überblicken. Dann schweift der Blick ungehindert über die Szenerie und lädt zu Kontemplation und Muße ein. Erst wenn man ihn in die Ferne lenkt, bemerkt man die Kakophonie. Und auch wenn man zu Boden blickt: Windräder am Horizont; Plastikmüll am Wegesrand. Nun ist der Kahlenberg kein Olymp und Wien nicht Delphi. Und gewiss lässt die Nähe zu der österreichischen Millionenstadt mit den zahlreichen Besuchern den Müll rechtfertigen? Und Windenergie ist doch in jedem Fall der Co2-Seuche von Kohle und Erdöl vorzuziehen – oder nicht?


Der Olymp ist der höchste Berg Griechenlands. An Wildheit und Dramatik schwer zu übertreffen, ragt er nur wenige Kilometer von der Küste der Ägäis in den Himmel. Kein Wunder, dass die Alten dort den Göttersitz vermuteten. Dicht bewaldet und abgeschirmt durch schroffe Felswände regt er die Phantasie an. Heutzutage von (fast) allen Seiten begehbar ist er ein beliebtes Wandergebiet geworden. Eine der charakteristischsten Landschaften auf dem Olymp ist die Musenhochebene. Auf 2500m gelegen ist sie direkt unter den höchsten Gipfeln des Olymps zu finden. Im Süden begrenzt sogar durch den dritthöchsten Gipfel des Berges, den Thron des Zeus. Angeblich saß er dort und erfreute sich am Tanz der Musen. Von dort hatte er auch einen freien Blick auf die umliegenden Berge. So zum Beispiel Pieria: Wohnort der 9 Musen. Lieblich und dicht bewaldet. Heute wie damals.

Auch auf dem Olymp findet man überall Müll. Und Windräder sollen auf dem Berg der Musen errichtet werden, die tiefe Schneisen in den unberührten Wald schlagen werden. Müll und zerstörerische Energiequellen. Hier wie dort. Die Anwesenheit des Menschen macht sich überall bemerkbar durch den Müll, den er hinterlässt. Sodass wir mit Sicherheit sagen können: ja, hier sind Menschen spazieren gegangen. Hier haben sich Menschen an der Natur erfreut. Hier haben sie die saubere Luft und die inspirierende Aussicht genossen. Denn überall liegt Müll.


Was sagt es über unsere Kultur aus, was für Müll wir in der Natur hinterlassen? Was ist es für Müll, den wir überall verstreuen? Es ist Vergnügung-, Wohlstands- und Bequemlichkeitsmüll. Auf ewig verdreckt für einen Moment der Bequemlichkeit. Für einen Moment des Vergnügens. Für eine sinnlose Kultur.