Pressespiegel
Hand- und Faustschläge. . .
Kleine Zeitung 13.05.2012
ORF – kultur.montag 07.05.2012
Falter 15/2012 : “F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig”
Die Klage der Klappmaulpuppen
Ein junger Puppenspieler und ein NS-Überlebender inszenieren die Kindermorde in der Wiener Euthanasieklinik als beeindruckendes Puppentheater
Feature: Florian Klenk
Auf der Bühne sitzt jetzt der kleine Fritz, er trägt einen weißen Pyjama und erbricht. Ein Arzt gibt ihm ein “Speiberl”, wie die Erziehungsinjektionen hier genannt wurden. Ein Pfleger stopft dann dem Buben Tabletten in den Mund. Der Bub fleht, man möge doch endlich diese Milchglasscheibe im Fenster entfernen. Seit Monaten schon, so wimmert er, sitze er nun hier isoliert am Spiegelgrund. Er würde so gerne die Vögel sehen, seine Mutter besuchen, ein Buch lesen, “bitte, bitte Herr Pfleger!”. Aber der kleine Fritz soll hier am Steinhof zu Tode gequält werden, so wie es 800 Kindern in der NS-Euthanasieklinik am Spiegelgrund geschah. Wie eine Mumie wickeln ihn die Ärzte nun zur ,,Wickelkur” in nasse Fetzen. Zwei Tage dauert es dann, bis die Tücher von seiner Körperwärme getrocknet sind.
Als diese Szenen manche Zuschauer im Publikum des Alsergrunder Schubert- Theaters buchstäblich zu Tränen rühren, blickt auch ein älterer Herr gebannt auf die Bühne. Es ist Fritz Zawrel. Er sieht sich jetzt selbst – als Klappmaulpuppe. Und er sieht den Puppenspieler Nikolaus Habjan, der diese Puppe grandios spielt. “F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig” heißt die “Puppendoku”, die Regisseur Sirnon Meusburger mit Habjan inszeniert hat. Nazi-Verbrechen mittels Klappmaulpuppen in einem Kellertheater zu erzählen, mag auf den ersten Blick völlig geschmack- los klingen, aber das Experiment gelingt famos. Das liegt vor allem auch daran, dass Zeitzeuge Zawrel an diesem Stück mitgewirkt hat. Zawrel ist jener Mann, der mithilfe des Mediziners und Publizisten Werner Vogt in den 1980er-Jahren den NS-Euthanasie- Arzt Heinrich Gross mit seiner Hartnäckigkeit überführte . Zawrel, 83, ist aber nicht nur ein Opfer, sondern vor allem auch ein humorvoller und belesener Erzähler. Lange Zeit lehnte er ein Ehrenzeichen der Stadt Wien ab, weil sich das Rathaus weigerte, eine Gedenkstätte für die Kinder vom Spiegelgrund einzurichten.
Nikolaus Habjan, der Puppenspieler, hat Zawrel im Altersheim besucht, er hat seine unschätzbaren Erinnerungen auf Tonband aufgenommen. Dann modellierte Habjan die Puppen aus Nylonstrümpfen und Latex. Die Puppe des alten Zawrel hat Knopfaugen, weicher Stoff überzieht seinen gebeugten Körper. Die junge Version wiederum sieht in ihrer Schlichtheit verletzbar und verschreckt aus. Den Mörder und Opportunisten Heinrich Gross hat Habjan mit langen Fingern, Altersflecken und Steinaugen ausgestattet, an der Brust steckt ein Orden der Zweiten Republik.
Kein Schauspieler könnte Opfer und Täter vom Spiegelgrund so überzeugend spielen wie diese Stofffiguren. “Diese Puppen können Gefühle und Emotionen ausdrücken, die man an richtigen Schauspielern schnell kitschig finden könnte”, sagt Habjan. Nikolaus Habjan, 25 Jahre alt, sammelte als Kind Marionetten, trällerte Opern als Kunstpfeifer, studierte Opernregie und ließ sich zum Puppenspieler ausbilden. Er ist kein Mann des Klamauks, auch kein Kabarettist, sondern ein politisiertes Multitalent Schon den “Herrn Karl” und Michael Jackson setzte er überzeugend als Puppen in Szene. Habjan tritt auf der Bühne nicht hinter seine Puppen zurück, sondern er spricht mit den Puppen, lässt sich die Geschichten erzählen, interviewt sie und scherzt auch mit ihnen. Nie stiehlt er seinen Figuren dabei die Show. Habjan sagt, er wollte eigentlich ·ein Puppenstück über Frankenstein schreiben, ein Drama über die Verirrungen und Anmaßungen der modernen Wissenschaft. Bei der Recherche stieß er auf die Experimente der NSÄrzte und auf den Wiener Gerichtsgutachter Heinrich Gross, der als Gerichtssachverständiger eine steile Karriere hingelegt hatte und seinen Belastungszeugen Zawrel in den 1980ern mit einem Gutachten für irnrner ins Gefangnis verbannen wollte. Wie konnte einer wie Gross durchkommen? Und wieso wurde Zawrel auch in der Zweiten Republik so spät rehabilitiert? Die Zawrel-Puppe sitzt nun am Küchentisch und berichtet von einer armseligen Kindheit auf der Straße, einem Leben in einer herzlosen Pflegefamilie, der geliebten Mutter, die den Zins nicht mehr erarbeiten konnte und die ihren “erbbiologisch und sozial minderwertigen” Fritz deshalb an die Euthanasieklinik abgeben musste. Das ihm dort verpasste Stigma des ,,Minderwertigen” wurde Zawrel auch in der Zweiten Republik nicht los. Wahrend die Justiz dem vergesslichen Heinrich Gross alle Taten verzieh, hielt sie dem in die Kleinkriminalität abgerutschten Zawrel den durch Nazi-Richter streng geahndeten Diebstahl eines Essenspakets vor, “da Österreich ja nie untergegangen ist, sondern nur besetzt war”, wie die Justiz Zawrel beschied.
Puppenspieler Habjan beherrscht den schillernden Wiener Dialekt Zawrels, er schafft es nicht nur, den kleinen Fritz zum Sprechen zu bringen, er rettet auch Zawrels schwarzen Humor – etwa wenn er über die afroamerikanischen Gis erzählt, die ihn befreiten, aber dabei so gefahrlieh mit den Zähnen klapperten, als wollten sie ihn auffressen (“ich hab ja als Kind noch nie einen Kaugummi gesehen!”). Habjan erweist Zawrel auf der Bühne jene Reverenz, die ihm die Republik so lange versagte. Am Ende der Premiere, als die Standing Ovations nicht enden wollen, betritt der richtige Zawrel auch kurz die Bühne und setzt sich an den Küchentisch. Die Puppe fragt: “Na, Fritzl? War’s leiwand?” Und. Fritz Zawrel sagt: “Jo, leiwand warst!”
Augustin 318/ 4- 2012
Trotz alledem: keine Verbitterung
Friedrich Zawrel, Spiegelgrund-Überlebender, als Theaterfigur
Vor einem halben Jahr kam es zu einem folgenreichen Aufeinandertreffen in einem Meidlinger Pflegeheim. Der 24-jährige Nikolaus Habjan machte dem 83-jährigen Friedrich Zawrel einen Vorschlag, der Letzterem zunächst nicht ganz geheuer war: «Was? Ein Puppentheater über mein Leben?»
Barbara Huemer 06.04.2012
Wir wissen, worum es geht: um das Leben von Friedrich Zawrel, um dessen misshandeltes Leben, ein Leben, das in die tödlichen Mühlen der nationalsozialistischen Psychiatrie geraten war und das sich auf Grund medizinischer Gutachten aus dieser Zeit nicht mehr davon befreien konnte. Auch nicht Jahrzehnte nach dem Ende des Krieges. Der Befund «erbbiologisch und sozial minderwertig» bestimmte auch nach seiner geglückten Flucht vor der Tötung aus der Anstalt am Steinhof – «Am Spiegelgrund» hieß sie damals – sein Leben bis 1981. Dieses Gutachten war u. a. direkte Folge für Zawrels Aufenthalte in geschlossenen Anstalten, 13 Jahre lang. Und diesem Leben gegenüber steht das andere Leben, das Leben eines überzeugten Nationalsozialisten mit einer glanzvollen Karriere als Psychiater am Steinhof, als viel beschäftigter Gerichtsgutachter, renommierter Hirnforscher, dem 1975 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse verliehen wurde und dem es gelang – mit Hilfe eines gut funktionierenden Netzwerkes in politischen und wissenschaftlichen Kreisen – nie für seine mörderische Vergangenheit verurteilt zu werden: Heinrich Gross.
Er starb 2005, war nicht zur Rechenschaft zu ziehen wegen angeblicher Demenz. Heinrich Gross und Friedrich Zawrel begegneten einander schicksalhaft mehrmals in ihrem Leben. Es geht also um zwei Leben, deren Verlauf nicht widersprüchlicher, nicht unterschiedlicher sein könnte.
An die Darstellung dieser beiden Biografien auf den Brettern eines kleinen Hinterhoftheaters wagt sich ein junges, engagiertes Team. Nein, es geht um viel mehr als um ein Wagnis. Ein moralisches Anliegen treibt die Gruppe an und motiviert sie, die Begegnungen zwischen diesen beiden Menschen in ihrer schrecklichen Verstricktheit uns noch einmal vor Augen zu führen.
Nikolaus Habjan, der Leiter dieses Projekts, ist heute 24 Jahre jung. Er hörte, als er dreizehn war, zum ersten Mal in der Schule von den Prozessen, die in den späten 70er und frühen 80er Jahren um Heinrich Gross stattfanden, wegen dessen Tätigkeit während des Krieges in der psychiatrischen Anstalt für Kinder «Am Spiegelgrund». Ab da ließ ihn das Thema, wie weit die Medizin in ihren wissenschaftlichen Forschungen gehen darf, nicht mehr los.
Nikolaus Habjan ist Puppenspieler, lernte in einem Workshop 2003 bei einem australischen Lehrer das künstlerische Handwerk, Puppen zu «bauen». Er schreibt Texte für sein Figurentheater auf kleinstem Raum. Jetzt steht die 7. Produktion bevor. Im «Schubert Theater» auf der Währinger Straße 46. Es ist tatsächlich ein Hinterhoftheater, ehemals Kino, in den 70er Jahren eines der meist besuchten Pornokinos von Wien. Hier trat auch Cissy Kraner als junge Soubrette auf.
Nur zwei Puppen tragen die Handlung: Zawrel und Gross
Im September vorigen Jahres war es dann so weit: Nikolaus Habjan suchte den Kontakt zu Friedrich Zawrel. Dieser wohnt seit längerer Zeit in einem Pflegeheim in Wien Meidling. «Ein Puppentheater über mein Leben?» Große Skepsis vorerst von dessen Seite. Nach vorsichtiger Annäherung zwischen dem 83j-ährigen Friedrich Zawrel und dem 24-jährigen Nikolaus Habjan fiel dann bald der entscheidende Satz: «Niki, ich geb mein Leben in deine Händ’.»
Und ab da trafen die beiden einander über ein halbes Jahr einmal in der Woche. Im Pflegeheim, in Kaffeehäusern. «Es wurde eine Katharsis für mich. An diesen Begegnungen bin ich gewachsen», meint Nikolaus Habjan. Die Interviews montiert der Puppenspieler zu einem Text, den er gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Regisseur Simon Meusburger, auf die Bretter des kleinen Theaters mit bloß 72 Plätzen bringt. Nur zwei Puppen tragen die Handlung: Friedrich Zawrel und Heinrich Gross. Nikolaus Habjan spielt sie beide. Er lässt – in Zeitsprüngen – verschiedene Episoden aus Zawrels Leben vor uns Revue passieren. Meist ist Nikolaus Habjan mit seinen Puppen auf der Bühne deutlich zu sehen. Bei einigen Szenen verhüllt er sich. «Sie sind mir zu brutal, zu entsetzlich, gehen mir zu nahe. Da muss ich mich – auch äußerlich – davon distanzieren.»
Und wie ließe sich der heutige Friedrich Zawrel beschreiben? Die Antwort kommt spontan, ohne Zögern. «Er ist offen und freundlich, eigentlich rührend, auf jeden Fall sehr sympathisch, nicht verbittert, nicht rachsüchtig. Er ist kein gebrochener Mensch. Er ist einfach großartig.»
Oft wurde Friedrich Zawrel zu Vorträgen in Schulen eingeladen. Als einer der allerletzten Zeitzeugen für die Verbrechen der Tötung «unwerten Lebens» während der NS-Zeit. «Da hält er sich ganz streng an sein vorgefertigtes Konzept», sagt Habjan. Jetzt kommen die Schüler_innen zu ihm ins Pflegeheim. «Ich mag die jungen Menschen», sagt Zawrel.
Und wird er zur Premiere ins «Schubert Theater» kommen? Zwei Tage danach hat er einen Termin im Parlament. «Ja, das schaut guat aus. Da muss ich halt gsund bleibn.»
Was erhofft sich das kleine engagierte Team für seine beeindruckende Arbeit?
«Dass viele, viele Leute kommen! Und dass sich nach der Aufführung einige über diesen tragischen Fall genauer informieren und ihre Zweifel und ihr Nachdenken nicht aufgeben.»
Becoming Peter Pan – An Epilogue to Michael Jackson (2010/2011)
KLEINE ZEITUNG 11.05.2011
Träume und Traumata um den King of Pop
Michael Jackson und das verletzte Kind in uns.
EVA SCHULZ
GRAZ. Wenn Nikolaus Habjan und Simon Meusburger vom Schubert Theater Wien etwas auf die Bühne bringen, regiert zuerst immer ein wenig Skepsis. Erst wagen sie sich an Qualtingers legendären „Herrn Karl“, nun geht es gar um Michael Jackson. Als Puppentheater! Das veranlasste Jackson-Fans vor der Wien-Premiere zu Protesten, die sogar in Morddrohungen gipfelten. Eine offen geführte Auseinandersetzung in Internet-Foren beschwichtigte die Fans aber rasch. Umso beeindruckender, aber keineswegs überraschender ist das Ergebnis, das nun im „Dom im Berg“ zu sehen war. Mit „Becoming Peter Pan. An epilogue to Michael Jackson“ gelang den jungen, leidenschaftlichen Theatermachern ein behutsames und fesselndes Schauspiel. Puppenspieler und -bauer Habjan geht glaubwürdig in der Rolle eines seelisch und körperlich gebrochenen Michael Jackson auf, der von Peter Pan und Neverland träumt, den Ängste, Erinnerungen, die Forderungen nach messianischer Erlösung und sein Alter Ego quälen. Simon Meusburger (Buch und Regie) schuf einen einfühlsamen englischen Text, der an keiner Stelle Voyeurismus bedient oder den „King of Pop“ parodiert. Die Visualisierungen von Johannes Hucek, Ronnie Veró Wagner als Schattentänzer, Lichtdesign und Musik ergänzten das Spiel hochdramatisch und effektvoll.
Martin Bruny
kulturchannel
am Sonntag, den 23. Januar 2011 um 18:56 · gespeichert in Rezensionen, Theater, 2011
Angesagte Skandälchen finden so selten statt. Vor einigen Wochen verursachte die schiere Ankündigung der Premiere eines Theaterstücks über Michael Jackson unter einigen radikalen Fans des King of Pop Aufruhr. Es kam nicht nur zu gezieltem Mailbombing, nein, man drohte auch, die Aufführungen zu “unterbrechen” und zu “stoppen”, und als kleines Sahnehäubchen gab es eine Morddrohung gegen den Kodirektor jenes Theaters, in dem “Becoming Peter Pan” am 16. Dezember 2010 – ohne Störaktionen – seine Uraufführung erlebte.
In den oft von besonders fanatischen Fans bevölkerten Foren, egal zu welchem Thema sie angelegt werden, ob Uwe Kröger, Mitzi Imechtsogern oder eben Michael Jackson, herrscht nicht selten ein roher, unkultivierter Umgangston, der an jenes Verhalten erinnert, das in autoritären Regimen gelebt wird, oder aber man kommt sich vor wie in einer Krabbelstube, in der “Miss Jackson” und “Babyjackson” mit “WillYoubethere2090”, und wie die sinnigen Namen sonst noch lauten, miteinander brabbeln. Kein Wunder also, wenn erst vor einiger Zeit in einem dieser Michael-Jackson-Foren die “Verbrennung” jener Puppe gefordert wurde, die sozusagen der Hauptdarsteller der Show “Becoming Peter Pan” ist. Wohlgemerkt sind das Reaktionen von Menschen, die “Becoming Peter Pan” nie gesehen haben und wohl auch nicht sehen werden. Aber das war ja bei den Bücherverbrennungen auch nicht viel anders. Es gibt, unter keinen Umständen, eine Entschuldigung für ein solches Verhalten, das in einer Morddrohung gipfelte, es wäre also auch nicht notwendig, dass sich die Leiter dieses Theaters diesem Pöbel stellen, und doch haben sie es versucht, in eben jenen Foren, wenngleich auch mit nicht überwältigendem Erfolg. Es ist vergebliche Mühe – und kein Mensch sollte sich mit einer derart gestörten, kulturfeindlichen Grundgesinnung auseinandersetzen müssen. Doch kennen wir eben jene Einstellung aus vielen Diskussionen, die um die Stellung des Theaters in Österreich geführt wurden – und andererseits lieferte die Auseinandersetzung mit den Fans den Theatermachern sicher jede Menge Stoff bei der Feingestaltung des Figurentheaters “Becoming Peter Pan”.
Haben denn diese total verzweifelten Fans, die, so meinten einige von ihnen, in Heulkrämpfe ausgebrochen sind, als sie Fotos der Puppe gesehen haben, nun wirklich Grund, um den Ruf Michael Jacksons zu fürchten? Was macht Puppenmeister Nikolaus Habjan mit unser aller Michael Jackson? Wird, von Wien Alsergrund aus, nun der König des Pop vom Sockel gestürzt?
Mit Sicherheit nicht. Gehen wir davon aus, dass es in “Becoming Peter Pan” tatsächlich um “den” Michael Jackson geht, dann sprechen wir, und wir Erwachsenen unter uns wissen das doch, von einer Kunstfigur, einem für und von den Medien geformten “King of Pop”. Michael Jackson hat schon zu Lebzeiten mehr als genug selbst inszeniert und der Presse unterjubeln lassen, das seinen Ruf weit mehr geschädigt hat, als es eine Theaterproduktion im Wiener Schubert Theater machen könnte. Aber man muss die Fans verstehen, sie sind im “Internet” in ihrer eigenen Welt und haben teilweise gar keine Ahnung, was sie gerade beurteilen, oft scheint es, als ob sie tatsächlich gar nicht wüssten, was sie tun. Unzählige Mails sind an meine Mailadresse geschickt worden, mit der Aufforderung, “dieses Stück” nicht zu machen, der Text freilich war ein vorgefertigter, der nur in die Mail hineinkopiert worden war. Wie die Lemminge verbreiteten die “Fans” ihre Botschaft, ohne auch nur zu prüfen, wem sie ihren Wunsch mailten. Sie wollten nur ihre Meinung rausbrüllen, irgendjemanden anbrüllen, egal wen. Sie berufen sich in ihren Forenbeiträgen auf Michael Jacksons “Bücher”, auf seine “Interviews”, sie verhalten sich wie Prediger, die den Willen des Kings vollziehen wollen. Keiner von ihnen aber kennt den Menschen Michael Jackson, den sie so anbiedernd “verteidigen” wollen – vor was auch immer. Spätestens seit den Amokläufen in diversen Schulen auf dieser Welt sollte man jedoch dieses wenn auch nur im Netz verbalisierte Aggressionspotential aber ernstnehmen und diese Foren im Zweifelsfall auch polizeilich checken lassen, man weiß nie, was aus Aufforderungen, eine “Aufführung zu stoppen”, eine Puppe “zu verbrennen” dann in der Realität werden könnte.
Das Gute ist, dass all diese Menschen in ihren Foren einen recht begrenzten Aufmerksamkeitswert erzielen. Am einfachsten wäre es also, ihnen keine Öffentlichkeit zu bieten, andererseits hat die Diskussion, so ich sie persönlich mitverfolgt habe, überblicksartig, durchaus eine Art von Unterhaltungswert und könnte, wenn man sich das Programm beispielsweise der Wiener Kammerspiele ansieht, in dramatisierter Form in einer Bearbeitung von Daniel Glattauer einmal “Alle sieben Wellen” ablösen. Schön wäre es, würden sich all diese Fans mal nach Wien aufmachen, um sich die Show, die sie so eifrig dämonisieren, auch anzusehen. Sie ist mehr als sehenswert.
“Becoming Peter Pan” ist ein sehr poetisch gebautes und äußerst exakt ausgeführtes Puppenspiel, das mit Licht, Schatten, Bühnennebel, Sound, einigen Requisiten und zwei Puppen auf kleinster Bühne erstaunliche Theatermomente schafft. Es geht nicht nur darum, was Nikolaus Habjan mit seinen Puppen erzählt, ein ebenso wichtiger Faktor, wenn nicht der wichtigere, ist, wie er es macht, wie er mit den Puppen umgeht, als wären es zerbrechliche, lebendige Wesen, es wohnt dem Ganzen ein fast zeremonieller, ritueller Moment inne, der dieses Schau-Spiel in jeder Sekunde zu einem spannenden macht, in keiner Sekunde vohersehbar. Es ist erstaunlich, wie diese Puppen innert kurzer Zeit zu “leben” beginnen, wie man sich daran gewöhnt, dass die Stimmen zwar alle von Habjan gesprochen werden, aber doch die Puppen lebendig machen.
Es macht keinen Sinn, exakt inhaltsmäßig an dieses Stück heranzugehen. Macht man es doch, ist die Chance dahin, all die Lücken und Brüche, die in das Stück hineingeschrieben wurden, mit der eigenen Phantasie und der gerade in sich selbst vorhandenen Stimmung auszufüllen. Die ganze Show ist ein Spiel mit Stimmungen, mit wunderschönen und verspielten Projektionen, mit den laut eingespielten Songs von Michael Jackson.
Die Handlung des Stücks dreht sich um einen Mann in einer psychiatrischen Anstalt, der sich für Peter Pan hält, mit der Wohnadresse “second to the right and then straight on till morning”. Er hat keine Ahnung, wie alt er ist, hält sich aber für “quite young”, möchte für immer ein kleiner Junge sein und kommuniziert eifrig mit seiner Fee Tinkerbell. Er hält sich aber auch für Michael Jackson und meint, gerade vor einem großen Auftritt zu stehen – “the biggest show on the planet, the biggest show in the universe”.
Ausgehend von dieser recht konkreten Spielsituation wird das Figurentheater recht abstrakt und nur mehr interpretierbar. Bilder aus der Vergangenheit ziehen vorbei, man sieht als Schatten auf einer Leinwand Tanzsequenzen, man sieht Michaels “magic tree”, Michael Jacksons sarkastisch-brutales Alter Ego setzt ihm hart zu: “You’re so pathetic! When was the last time you took a closer look in the mirror? hahaha – Man in the mirror? Look what you’ve become – a coward, a freak, a looser!” Er möchte das gealterte Ich davon überzeugen, noch einmal von vorn zu beginnen, im Nimmerland, auf die harte Tour. Ein “Arzt” (?) “kümmert sich” um den Patienten, stellt Fragen, die Antworten drehen sich letztlich um die großen Themen im Leben Michael Jacksons: Einsamkeit, die ewige Auseinandersetzung mit der eigenen “verlorenen” Jugend, mit dem Alter, es geht um Ängste, Unsicherheiten, um die Beziehung zum Vater, all das verbrämt und eingebettet in einer Art Peter-Pan-Fiebertraum.
Der alte Mann im Rollstuhl freilich hat mit seinem Leben abgeschlossen: “They want to see their King, but the King is dead. He has been dead for a long time. But they still want to see their King of Pop. Please tell the waiting audience that I am not able to perform tonight. They are to leave immediately. Whenever I walk on stage people expect too much of me. They want to see my singing, they want my dance, the turns and the moves – they want the whole package. But I don’t know for how long I will be able to do this […] they gonna laugh at me, they gonna stare at me, as if I were a freak.”
Eine heikle Geschichte, Michael Jackson als alten Mann zu zeigen. Und doch so richtig, bedenkt man die euphorischen Reaktionen der Fans auf die Ankündigung der “This is it”-Tour, die ein 50-jähriger Jackson bestreiten hätte müssen. Ein Michael Jackson, dem man – sehr wohl – das Alter angemerkt hat. Oder, wie es das Alter Ego im Stück formuliert: “I don’t get, how I could get so old. That wasn’t part of the bargain. That wasn’t part of the plan. That doesn’t fit into the concept. He never invented himself as an old man, he never told stories about him being old. How could he? We have to change this. Yeah! We can! This is it! THIS IS IT! Not that! But what would you say if we could make you young again?”
Gegen Ende thematisiert “Becoming Peter Pan” unter anderem den “Heal the World”-Mythos, dieses so unendlich sich selbst überschätzende Weltverbesserer-Image, das Michael Jackson gerne symbolisierte, auf der anderen Seite werden die ungeklärten Umstände des Todes von Michael Jackson auf eine verschwörungstheoretische Basis gestellt. Nochmal die Frage: Wird der Ruf Michael Jacksons beschädigt? Nein, aber “Becoming Peter Pan” ist sehr wohl eine kritische und sarkastische Auseinandersetzung mit dem Phänomen und dem Wirken Michael Jacksons, auch seiner Beziehung zu seinen Fans, insofern ist, und hier schließt sich der Kreis, die Diskussion mit den heutigen Anhängern des King of Pop fast unabdingbarer Bestandteil der Entstehungsgeschichte des “Dramas” “Becoming Peter Pan”.
Einen Freak, das meinen viele der geschockten Fans in der Puppe, die Michael Jackson, oder eben Peter Pan, darstellt, zu sehen. Sie finden die Bilder der Show abstoßend. Da darf man die Wirkung eines Figurentheaters nicht unterschätzen. Was auf Fotos abstoßend wirkt, gewinnt “live” eine völlig andere Dimension. Gerade für Michael Jackson Fans, das als Fazit, ist diese Show ein Muss, der Text ist großartig, teils poetisch, ein Meer an Subtext, voller Anspielungen, und gespickt mit Zitaten aus Songs von Michael Jackson, direkt im Leben von Michael Jackson verankert, aber das mag auch einfach meine eigene Interpretation sein, denn wie Jacksons Alter Ego sich selbst fragt: “Is there an ultimative truth about you, Michael Joseph Jackson?”
Leading Team
Puppenspiel und Puppenbau: Nikolaus Habjan
Buch und Regie: Simon Meusburger
Visualisierungen: Johannes Hucek
Schattentänzer: Ronnie Veró Wagner
Regieassistenz und Inspizienz: Helene Ewert
Kostüme: Modeschule Graz: Billie Lea Lang, Martina Reichenpfader, Melanie Sonner, Angelika Waltl
Lichtdesign: Smon Meusburger
Zwei Schattenmänner: Christoph Hackenberg, Benedikt Grawe
Drei Schattenkinder: Franziska Singer, Matteo Ortner, Lucca Nocchieri
Additional Music: Otto M. Zykan
Übersetzung: Jasmin Sarah Zamani
Verwendete Songs von Michael Jackson
- History
- Stranger in Moscow
- Will You Be There
- Leave me alone
- Thriller
- Cry
- Smile
Aufführungstermine
7., 8., 10., 11., und 12. März sowie 1., 2. und 4. April 2011
(in englischer Sprache)
Schuberttheater: Viel Lärm um nichts [2011]
Martin Bruny am Montag, den 12. Dezember 2011 · Filed under Rezensionen, Theater, 2011
„Viel Lärm um nichts“ – den Klassiker von William Shakespeare konnte man schon in den unterschiedlichsten Versionen auf deutschsprachigen Bühnen und im Kino erleben, von klassischen Inszenierungen und/oder opulenten Versionen bis zum dekonstruierten Regietheater. Man kann aus dem Stück fast alles machen, wie auch die Salzburger Festspiele einmal bewiesen haben, die den Schluss der Komödie nicht als Doppelhochzeit in Szene setzten, sondern am Ende zwei Frauen präsentierten, die ihre Männer verloren hatten.
Im Wiener Schuberttheater wurde Shakespeares Stück (Premiere war am 10. November 2011) auf einigen Ebenen in die Gegenwart transferiert. Man hört Musik per iPod, tippt auf Notebooks, per Videoeinspielung klinkt sich Don Pedro, der CEO von Aragon Corporations, ins Geschehen ein. Die Protagonisten sind alle in den Firmen Aragon Corporations beziehungsweise Messina Incorporations verankert. Der Switch von einer klassisch gehaltenen Inszenierung auf die aktualisierte Version findet auch gleich demonstrativ in den ersten Sekunden der Aufführung, quasi als Statement, statt. Leonato, CEO von Messino Incorporations, klickt auf seiner Stereoanlage per Fernbedienung vom gerade gespielten „Sigh no more, Ladies“ (ein Track aus dem Soundtrack der „Viel Lärm um nichts“-Verfilmung von Kenneth Brannagh aus dem Jahre 1993) auf „Red Flag“ von Billy Talent um – BAMM – vom Seufzer zum harten Rock. Damit ist das Schwülstige aus dem Stück mal draußen.
Die nächste Reduktion, die Jasmin Sarah Zamani (Regie/Text) durchgeführt hat, betrifft das Personal des Stücks. 16 Personen beziehungsweise mehr, je nachdem wieviele Wachen, Boten, Gefolge man sich leisten mag – das geht auch mit weniger. In der Version des Schuberttheaters haben wir 6 Personen auf der Bühne und eine, die mittels eingespielter Videosequenzen mit einbezogen wird. Nicht nur die Kürzung des Personeninventars bedingt eine Streichung jeder Menge Text, und vielleicht ist die Reduktion des Stücks auf den Kern der Beziehungsgeflechte das Radikalste an dieser aktualisierten Version.
Gestrichen auch jeglicher Pathos. Der Shakespeare’sche Text, der trotz aller Bearbeitung und neuer Passagen doch deutlich vorhanden ist, wird mit großer Spiellust gebracht, mit Nachdruck und Hingabe bisweilen bis fast in die Groteske oder ins große Beziehungsdrama inszeniert, die Charaktere liebevoll mit Spleens, Leben erfüllt vom insgesamt großartig spielenden Ensemble, ohne jetzt jemanden hervorheben zu wollen. Das Stück pendelt vom Liebespärchen Benedikt Padua und Beatrice Disdegno zu Claudio Florentin und Hero Purezza, hin und her, legt in den Konfliktsituationen enorm an Tempo zu, der Soundtrack channelt die Stimmung in die richtigen Bahnen, durch die Videoeinspielungen bricht man ein wenig, was sich an Verstaubtem anlagern hätte können, die Kostüme – ein Lacher für sich, immer an der richtigen Stelle. Es ist eine Freude, eine dermaßen heutige, witzige und stellenweise umwerfend komische Shakespeare-Inszenierung zu erleben.
VIEL LÄRM UM NICHTS
William Shakespeare
Leading Team
Regie/Textfassung: Jasmin Sarah Zamani
Regieassistenz, Inspizienz: Helene Ewert
Kostümassistenz: Iris Otterspeer
Lichtgestaltung: Simon Meusburger
Grafik, Videos: Johannes Hucek
Fotos: Anita Milena Murgu
Besetzung
Benedikt Grawe: Benedikt Padua, CFO von Aragon Corporations
Christoph Hackenberg: Leonato Gouverneur, CEO von Messino Inc.
Christian Kohlhofer: Claudio Forentin Graf, Managing Director BU Italy bei Aragon Corporations
Lena Sophie Lehmann: Dona Joanna, Don Pedros Halbschwester und Managing Director bei Aragon Corporations
Manuela Linshalm: Beatrice Disdegno, Leonatos Cousine und CFO von Messina Inc.
Christopher Ryan: Don Pedro Fürst, CEO von Aragon Corporations
Katharina Vana: Hero Purezza Gouverneur, Leonatos Schwester, Praktikantin der höheren Managementebene
Schubert Theater: “Der Untergang des Hauses Usher” (2011)
Martin Bruny am Sonntag, den 30. Januar 2011 · Filed under Rezensionen, Theater, 2011
Wiens Off-Theater bietet derzeit eine Fülle an interessanten Shows. Eine davon: “Der Untergang des Hauses Usher”, eine Produktion des Schubert Theaters, die noch ein Mal, heute, am Sonntag, dem 29. Jänner (Beginn: 19:30 Uhr), am Spielplan der Bühne steht (Infos zum Theater, siehe –> hier).
“The Fall of the House of Usher”, eine Kurzgeschichte von Edgar Allen Poe, erschien erstmals 1839 in “Burton’s Gentleman’s Magazine” und 1840, nochmals überarbeitet, in der Sammlung “Tales of the Grotesque and Arabesque”.
Die Geschichte faszinierte Filmemacher und Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts gleichermaßen. Von 1928 bis 2008 entstanden nicht weniger als elf Verfilmungen, mindestens acht Vertonungen sind bekannt, darunter Werke von The Alan Parsons Project, Claude Debussy, Philip Glass oder Art Zoyd.
Das Schubert Theater zeigt eine atmosphärisch sehr dichte Sprechtheaterversion der Kurzgeschichte von Poe. Nicht nur die Bühne wird bespielt, der ganze Theatersaal ist Schauplatz, draußen vom Hof rütteln die Geister an der Tür, reißen sie auf, und bei Minusgraden wird das Grauen dann auch durch entsprechende Kälte spürbar. Schon vor Beginn des Stücks bringen pulsierende Lichter, Bühnennebel, Projektionen und Synthesizer-Sounds das Publikum in die passende düstere Stimmung.
Ann-Kristin Meivers, Linda Gondorf und Jasmin Sarah Zamani erarbeiteten für das Schubert Theater die Dramatisierung des Poe-Textes, eine stimmige Sache aus einer Serie an Monologen, sehr düster, bedrückend, Dialoge im eigentlichen Sinne gibt es in dieser Gespenstermär keine. Die Geschehnisse werden dem Zuschauer gefiltert durch die subjektive Perpektive des Erzählers geschildert, die Monologe des Roderick Usher kann man sich, wenn man möchte, ebenfalls gefiltert duch die Wahrnehmung des Erzählers vorstellen. Oder auch nicht, eine von vielen interpretierbaren Leerstellen, die sowohl die Kurzgeschichte als auch die dramatisierte Version auszeichnen – man weiß nie wirklich, was real ist.
Ein nicht unwichtiger Faktor, diese Wirkung zu unterstützen, ist die Soundkulisse, die Fabian Gräf erarbeitet hat. Düstere Klänge, Soundeffekte (Gewitter, Regen, Schreie) helfen, das unbestimmte niederdrückende Gefühl zu verstärken, das dieses Stück auszeichnet. Ein Gefühl, das Christoph Hackenberg als Erzähler beziehungsweise Jugendfreund Roderick Ushers von Sekunde 0 an stimmig nährt und pflegt, wenn er mit seiner Laterne im vom Bühennnebel erfüllten Saal sich den Weg durch den Zuschauerraum zur Bühne bahnt, und von den toten, wie leere Augenhöhlen starrenden Fenstern des Hauses Usher erzählt.
Benedikt Grawe spielt Roderick Usher, der von seinem Jugendfreund so beschrieben wird:
Sicherlich noch nie hatte sich ein Mensch in so kurzer Zeit so schrecklich verändert wie Roderick Usher! Nur mit Mühe gelang es mir, die Identität dieser gespenstischen Gestalt da vor mir mit dem Gefährten meiner Knabenjahre anzuerkennen. Doch war seine Gesichtsbildung immer schon merkwürdig gewesen, so hatte nun eine übertriebene Entwicklung genügt, das Antlitz seiner Züge derart zu verändern, dass ich nicht mal sicher wusste, ob er es wirklich war.
Was mich vor allem verblüffte, ja entsetzte, war die jetzt gespenstische Blässe der Haut; das jetzt überirdische Strahlen des Auges. Das seidige Haar hatte ein eigentümliches Wachstum entfaltet, und wie es da so seltsam wie hauchzarter Altweibersommer sein Gesicht umspielte, hatte ich Schwierigkeiten, dies arabeskenhaft verschlungene Gewebe mit dem einfachen Begriff Menschenhaar in Beziehung setzen.
Bleichgeschminkt gibt Grawe den Zustand zwischen Entrücktheit, Depression, Verwirrtheit und frostigem Erstarren seiner Figur bis hin zum völligen Wahn überzeugend. Die Inszenierung hat durchaus gewollt etwas Voyeuristisch-Sinnliches. Es geht nicht zuletzt um eine detaillierte Beschreibung des Roderick Usher, seines Geisteszustands, aber auch seines Äußeren. Er ist damit fast immer im Fokus des Geschehens, wenngleich der Erzähler ungleich mehr Text hat. Lena Sophie Lehmann als Schwester Ushers bringt ein faszinierendes zusätzliches Fünkchen Irrsinn in die Produktion. Wenn die lebendig Begrabene am Ende des Stücks aus der klirrenden Kälte barfuß in den Saal geistert, das Bühnenblut an ihren Armen, ihren Händen und in ihren Haaren dicklich glänzt, ihr Kleid blutdurchtränkt – da ist der Horror- oder Gespenstergeschichtenfan dann schon ordentlich bedient.
“Der Untergang des Hauses Usher” – eine kleine feine Produktion, die in rund einer Stunde dem Publikum wohltuendes Gruseln lehrt. Es ist Off-Theater, das mit bescheidenen Mittel auskommen muss, aber dies durch Phantasie wettmacht. Fehlendes üppiges Bühnenbild wird durch Projektionen und einem Spiel mit dem Bühnenvorhang wettgemacht, die Kostüme sind stimmig, das Licht gespenstisch. Wohliges Gruseln ist garantiert.
Darsteller
Benedikt Grawe (Roderick Usher), Christoph Hackenberg (Erzähler), Lena Sophie Lehmann (Madeline Usher), Alexander E. Fennon (Hausarzt/Projektion)
Leading Team
Regie und Konzept: Ann-Kristin Meivers
Textfassung: Ann-Kristin Meivers
Dramaturgie: Linda Godorf/Jasmin Sarah Zamani
Musik/Sound: Fabian Gräf
Bühne: Bernard Roschitz
Kostüm/Maske/Ausstattung: Jasmin Sarah Zamani







