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Die Erschaffung der Welt

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(c) Aron Kitzig

Eine dramatische Weltordnung für Maschinen, eine Puppe und einen Menschen.

«Könnte eine Maschine denken? – Könnte sie Schmerzen haben? Nun, soll der menschliche Körper so eine Maschine heißen? Er kommt doch am nächsten dazu, so eine Maschine zu sein.»  (Ludwig Wittgenstein)

 

Wie verhalten wir uns im verworrenen Schöpfungsspiel aus Erschaffung, Welt, Mensch, Gott, Technik, Natur? Wer schafft die Maschine… die Weltmaschine?

Der Mensch erschafft sich selbst. Der Mensch nimmt die Welt(-maschine) in Betrieb und fängt sich selbst damit. Die Maschine zwingt den Menschen zur Bewegung, zum Erschaffen, zum Erfinden. Die Weltmaschine wird immer lauter und unerträglicher. Eine lärmende, ratternde, knarzende, quietschende Welt.

Aber ist uns der fremde, der andere, der ferne Mensch eine Puppe, eine Maschine – Teil eines Funktionssystems, derselben Weltmaschine? Wo ist der Platz des gesichtslosen Menschen? Die Maschine ist unser Bangladesch.

Vielleicht werden es immer mehr Maschinen. Aber sind sie überhaupt hilfreich? Ab wann beginnt der Mensch sich mit den Maschinen zu identifizieren?
Wunschmaschine. Kriegsmaschine. Liebesmaschine. 
Was produzieren sie eigentlich? Und was ist die Arbeit des Einzelnen überhaupt wert? 

Der Abend folgt einer Einschreibung in eine Logik des Maschinellen. Neuschaffung und Reproduktion werden in der Triade zwischen Mensch, Puppe und Maschine eng aneinander geknüpft, Fäden spannen sich zu Netzen, Reißleinen innerhalb des Systems.

Die Puppe verkörpert einen Kreuzungspunkt in diesen Welten. Produziert um gespielt, in Betrieb genommen zu werden, anorganisch und doch nie automatisch. Die maschinelle Planbarkeit erschöpft sich im menschlichen Handeln.

So wie für Heidegger das Kunstwerk paradigmatisch eine Welt aufstellt, so stellen sich im Theater der Dinge die Figuren ihre Welt aus und um, in und aneinander. Verrücken, verschachteln, verbauen, (v)erschaffen Puppen, Mensch, Maschine. Bedient der Mensch noch die Maschine oder ist er(?) Teil des maschinellen Systems? Ist der Mensch eine Maschine? Wohin wenden sich die Puppen? Frisst die Maschine den Menschen?

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(c) Aron Kitzig

Die „Erschaffung der Welt“ baut sich aus verschiedensten Schöpfungsmythen und philosophischen Texten über Maschinen, Globalisation, Arbeit und andererseits eigenen Texten eine dramaturgische Weltmaschine. Ein automatisiertes System aus Funktionen, Zusammenhängen, Brüchen, welches über uns hinauswächst, in Bann nimmt und vereinnahmt.

„So treiben wir ein artiges Spiel: Aus der Welt entwickelt sich der Mensch, aus dem Menschen die Welt; Gott schafft den Menschen und der Mensch schafft Gott.“ (Edmund Husserl: Logische Untersuchungen)

 

 

Konzept, Regie: Marie Steiner
Bühnenmaschinerie: Carolyn Amann, Aron Kitzig, Marie Steiner
Puppen: Claudia Six
Weltmaschinistin: Katharina Paul