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Das Leben ist wie ein Fisch an der Wand

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Von und mit: Sven Stäcker
Live Musik: Heidelinde Gratzl

Der Tod liebt seine Arbeit, er kann auch nichts anders. Wenn das Leben von Menschen abgelaufen ist, wenn es wirklich kein Weiter gibt, wenn das Sterben die Erlösung ist, dann holt der Tod die Menschen gern zu sich. Gehört doch der Tod zum Leben. Immer wieder gibt es Zeiten, die unerhört grausam waren und sind. In allen Jahrhunderten gibt es sogenannte „MENSCHEN“, die Menschen töten. Dann muss der Tod eine Arbeit machen, die ihm keinen Spaß mehr macht. Er muss Menschen abholen, die noch gar nicht dran sind!

So auch bei den verruchten Nazis und Konsorten. Der Tod musste so viele Menschen anfassen, Woche für Woche, Tag für Tag, Stunde für Stunde, Minute für Minute, Sekunde für Sekunde. Er musste ein kleines Mädchen aus Theresienstadt abholen, nur weil es eine winzig kleine Zwiebel einsteckte. Einen Schauspieler musste er von der Bühne zerren und ihn in den Zug nach Au…au…schwitz werfen. Im Licht der grellen Scheinwerfer, dort dachte der Schauspieler, er wäre beim Film. Es gab es einen Schuster, den der Tod mitnehmen muss, wenn der Schuster den letzten Nagel in den letzten Schuh schlägt. Eine alte Frau suchte ihre Enkelin, weil sie eine Puppe mit himmelblauen Augen für sie kaufte. Doch die Enkelin war bereits fort…. Der Tod schaffte es einfach nicht mehr und die Schicksale der Menschen machten ihm die allergrößten Schmerzen. Zum größten Teile waren es jüdische Menschen, die der Tod abholen MUSSTE. So erzählte er ihnen jiddische Witze, damit die betreffenden Menschen ihm „lachend“ in die Arme fielen.  Das LACHEN machte es dem Tod auch etwas leichter, eine Arbeit zu tun, die ihm plötzlich zum Knochenhalse heraushing.

Der Tod konnte NICHTS aber auch gar nichts verhindern!
Die Menschen hätten es können… doch sie taten es NICHT!

Es ist unbedingt geeignet, um den heutigen Menschen zu zeigen, was DAMALS geschehen ist. Dies nicht mit erhobenem Zeigefinger oder mit aufgezeigten Zahlen aller Ermordeten.  Die Zuschauer lachen in der ersten Hälfte des Stückes. Dann ganz langsam, schiebt sich das Grauen in dieses Lachen.

Raizel Zychlinski (geb. 1910) ist eine nicht wegzudenkende Dichterin der jiddischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Im polnischen Gombin wuchs sie auf. Russland, Frankreich und New York wurden aufwühlende Stationen ihres bewegten Lebens. 2001 verstarb sie in Kalifornien. Herbstliche nackte Blätter am braunen Zweige, Hunde mit blauen Augen und der Kinder beraubte Katzen, dies sind einige Fabelbilder des riesigen poetischen Schatzes von Raizel Zychlinski. Mit scheinbar harmlosen Zeilen beschrieb sie das Grauen der damaligen Zeit.

© Sven Stäcker